Fachkräftemangel – Engpässe in einzelnen Berufen und Regionen
Arbeitskräftereport des BMAS
Momentan gibt es in Deutschland zwar keinen allgemeinen flächendeckenden Fachkräftemangel, aber es sind durchaus Engpässe in einzelnen Berufen und Regionen festzustellen, wie der Ende 2011 erschienene Arbeitskräftereport des BMAS zeigt.
Engpässe gibt es nicht nur bei akademischen Berufen, sondern auch bei Fachkräften mit beruflicher Ausbildung. Betroffen sind Berufe aus den Bereichen Gesundheit und Erziehung, Bank- und Versicherungswesen sowie technische Berufe, Elektro- und Ingenieurberufe.
Statistisch belastbare Angaben für den Zeitraum von 2006 bis 2010 gibt es für 28 Berufe. Diese Berufe verzeichneten 2010 60 Prozent des Bestandes an sofort zu besetzenden offenen Stellen. Bei zehn Berufen ist die Zahl der offenen Stellen entgegen der allgemeinen Entwicklung gestiegen. Bei weiteren fünf Berufen liegt sie zumindest über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.
Zur Spitzengruppe gehören Lagerverwalter, Altenpfleger, Ärzte sowie Apotheker. Hier verdoppelte sich im betrachteten Zeitraum die Zahl der offenen Stellen. Bei Krankenpflegern und Hebammen betrug der Zuwachs über 70 Prozent. Bei Bank- und Versicherungsfachleuten sind die Vakanzen in den fünf Jahren um 80 Prozent gestiegen. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten hat sich das Bild hier möglicherweise schon wieder geändert. Bei Erziehern und Sozialarbeitern ist die Zahl der offenen Stellen um mehr als die Hälfte gestiegen. Für Bürokräfte und Datenverarbeitungsfachleute gab es 2010 ebenfalls mehr offene Stellen als 2006.
Berufe mit dem höchsten prozentualen Zuwachs an offenen Stellen
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Beruf |
Anzahl der Stellen 2006 bis 2007 |
Anzahl der Stellen 2009 bis 2010 |
Zuwachs in Prozent |
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Lagerverwalter, Magaziner, Lager- und Trabsportarbeiter (m/w) |
20.524 |
46.038 |
124% |
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Altenpfleger (m/w) |
10.504 |
21.757 |
107% |
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Ärzte (m/w) |
4.943 |
9.819 |
99% |
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Bankfachleute (m/w) |
5.785 |
10.801 |
87% |
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Versicherungsfachleute (m/w) |
8.523 |
14.980 |
76% |
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Krankenpfleger, Hebammen (m/w) |
9.726 |
16.619 |
71% |
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Erzieher, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen (m/w) |
17.920 |
27.140 |
52% |
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Elektromechaniker, Industrieelektroniker, Kommunikations-, Büroinformationselektroniker (m/w) |
7.122 |
9.592 |
35% |
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Bürofachkräfte |
22.849 |
26.357 |
15% |
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Datenverarbeitungsfachleute, Informatiker (m/w) |
30.482 |
31.560 |
4% |
Arbeitskräftenachfrage bei Ingenieur- und Elektroberufen
Bei den technischen Berufen und Ingenieuren dagegen hat die Zahl der offenen Stellen stark abgenommen. Betroffen sind vor allem Ingenieure des Maschinen-, Apparate- und Fahrzeugbaus, Ingenieure ohne nähere Fachrichtungsangabe und Bauingenieure, da die Konjunkturkrise gerade Branchen mit einem hohen Anteil an technischen Berufen betroffen hat. 2010 kamen bei diesen Berufsgruppen aber noch sechs offene Stellen auf 100 Beschäftigte. Diese Rate ist immer noch dreimal höher als der Durchschnittswert für alle Berufe . Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass es bei diesen Berufen weiterhin Probleme bei der Besetzung von offenen Stellen gibt.
Auffällig ist auch die Entwicklung bei Elektrikern, Elektroinstallateuren und Energieelektronikern. Die Zahl der offenen Stellen ist 2010 deutlich gefallen. In den Jahren davor war die Zahl der Vakanzen in den Elektroberufen im Verhältnis zur Beschäftigtenzahl jedoch deutlich überdurchschnittlich. Die neuerdings leichte Zunahme an offenen Stellen bei Elektromechanikern, Industrie-, Kommunikationselektronikern lässt vermuten, dass der Bedarf in den Elektroberufen weiter steigen könnte, wenn die konjunkturelle Entwicklung weiterhin positiv verläuft.
Regionale Unterschiede
In der Region Schleswig Holstein/Hamburg stieg Zahl der Beschäftigten um zehn Prozent. Über dem Bundesdurchschnitt liegt das Beschäftigungswachstum zudem in Berlin/Brandenburg, Bayern, Rheinland-Pfalz/Saarland und Hessen. Dagegen ist die Rate der sofort zu besetzenden offenen Stellen in Baden-Württemberg hinter dem Bundesdurchschnitt zurückgefallen, da diese Region vom weltweiten Konjunktureinbruch am stärksten betroffen war. Besonders ungünstig verlief die Entwicklung auch in Thüringen.
Zukünftige Erwartungen der Betriebe
Die Betriebe erwarten bei den medizinischen und erzieherischen Berufen, den Büroberufen sowie bei Ingenieuren, Technikern, Köchen und Restaurantfachkräften mittelfristig einen weiter steigenden Bedarf – sollte die positive Konjunkturentwicklung auch mittelfristig anhalten.