Freitag, 25.05.2012
Sie sind hier: Deutschland



Mindestlohn - Jobvernichter?

Mindestlöhne 2011
Welche Wirkung hat der Mindestlohn auf Beschäftigung und Wettbewerb?
Sechs Forschungsinstitute haben im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) die Wirkung der branchenbezogenen Mindestlöhne auf den Arbeitsmarkt untersucht. Das Ergebnis: In keiner der acht untersuchten Branchen konnte nachgewiesen werden, dass der Mindestlohn Jobs im großen Stil vernichtet hat.

Im Dachdeckerhandwerk hat der Mindestlohn, der zurzeit bei 10,80 Euro liegt, keine Auswirkungen auf das Beschäftigungsniveau gehabt. Lediglich in Einzelfällen konnten negative Auswirkungen festgestellt werden. Laut Bericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sind die Chancen auf einen Job für Ungelernte seit Mitte der 1990er Jahre gesunken. Auf die Gewinne der Firmen hat sich die Lohnuntergrenze jedoch kaum ausgewirkt.

In der Baubranche hat die Einführung eines Mindestlohns ebenfalls keinen messbaren Einfluss auf die Zahl der Beschäftigten gehabt. Als er 1997 eingeführt wurde, hat er vor allem in Ostdeutschland zu höheren Löhnen geführt. Dort lag der Lohn bei 24 Prozent der Beschäftigten unterhalb des Mindestlohnes.


Auch in der Pflegebranche ist mit der Einführung des Mindestlohnes das Einkommen gestiegen. Weitere Auswirkungen auf die Beschäftigung ließen sich quantitativ nicht nachweisen. Ähnliche Ergebnisse brachten die Studien auch zum Mindestlohn im Elektrohandwerk sowie im Maler- und Lackiererhandwerk. Die Einführung des Mindestlohns hatte keine nennenswerten Folgen für Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit. Wesentliche Ergebnisse dieser Studien, zusammengefasst in einem Bericht des BMAS, lagen der Berliner Zeitung und der Mitteldeutschen Zeitung bereits Ende Oktober bzw. Anfang November vor.

Auswirkungen eines Mindestlohns auf öffentliche Haushalte
Im April 2011 veröffentlichte das Forschungsinstitut Prognos im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstmals Zahlen zu den Auswirkungen eines Mindestlohns auf öffentliche Haushalte.
3,6 Millionen Menschen in Deutschland erhalten einen Stundenlohn von weniger als 7,50 Euro. Bei weiteren 1,2 Millionen Arbeitnehmern liegt er sogar unter fünf Euro. Eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro könnten Bund, Ländern und Kommunen sowie den Sozialversicherungen Mehreinnahmen und Einsparungen von mehr als sieben Milliarden Euro bringen. So könnten etwa die Ausgaben für staatliche Transfers wie Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kindergeldzuschlag um 1,7 Milliarden Euro zurückgehen. Mögliche Beschäftigungseffekte haben die Gutachter nicht untersucht. Wirtschaftswissenschaftler warnten bisher eindringlich vor der Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns. Dies würde zu erheblichen Beschäftigungsverlusten führen.


Höhere Mindestlöhne haben in den USA in den vergangenen 16 Jahren keine Jobs vernichtet
Die Befürchtung, dass der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet, widerlegte auch eine vor kurzem erschienene Studie aus den USA. Forscher des Arbeitsmarkt-Forschungszentrums der US-Eliteuniversität Berkeley stellten fest, dass die Mindestlohn-Erhöhungen zwischen 1990 und 2006 nicht zu kurz- oder langfristigen Jobverlusten bei Niedriglohntätigkeiten führten. Sie betrachteten die Beschäftigungsentwicklung regionaler Arbeitsmärkte in den gesamten USA. Die Einkommen stiegen deutlich an, aber die Firmen reagierten nicht mit Entlassungen auf die höheren Lohnkosten.


Job-Suche


Gehalt - Verdienen Sie angemessen?
Gehalt Vergleichen Sie Ihr Gehalt mit dem anderer Arbeitnehmer. mehr

Ratgeber & Infos
Ratgeber Was sollten Sie bei einer Bewerbung oder bei der Gehaltsverhandlung beachten? Informationen zu Themen wie Bewerbung, Gehalt oder Arbeitslosigkeit finden Sie hier. mehr