Quereinstieg – Neustart im Beruf(sleben)

Zeit für frischen Wind! Wenn dir dein Beruf keinen Spaß mehr macht, du Interesse an neuen Berufsfeldern hast oder dich persönlich weiterentwickeln möchtest, dann ist der Quereinstieg ein möglicher Weg. Erfahre hier, was die wichtigsten Schritte dafür sind und wie du dich richtig bewirbst.

Illustration Quereinsteiger
#gemeinsamstark

Was ist ein Quereinstieg?

Der Jobeinstieg verlangt keine klassische absolvierte Berufsausbildung oder abgeschlossenes Studium. Im Gegensatz zu den üblichen Werdegängen steigst du hier als Arbeitnehmer meist ohne die passende Berufsausbildung in einem neuen Job ein. Gründe sind oft die Unzufriedenheit im aktuellen Job oder das Interesse an fremden Berufsfeldern.

Ein Quereinsteiger ist eine Person, die...

  • … entweder ein Hobby oder eine Leidenschaft zum Beruf machen möchte,
  • … einen bestimmten Randbereich des bisherigen Jobs besser kennenlernen möchte,
  • … oder ein besonderes Talent besitzt und dieses besser in einer anderen Branche ausüben kann.

In welchen Branchen kann ich quer einsteigen?

Die Frage sollte eher lauten, in welchen Branchen und Berufen ist ein Quereinstieg nicht möglich? Theoretisch kannst du in fast allen Jobs quer einsteigen. Ein positives Beispiel ist der Quereinstieg in die IT. In der digitalen Welt herrscht IT-Fachkräfte-Mangel. Die Welt verändert sich und somit brauchen wir viele Fachkräfte mit digitalem Verständnis. Gewisse IT-Kenntnisse sind von Vorteil, allerdings gibt es zahlreiche Stellen, die für Quereinsteigerinnen in Frage kommen. Wenn du also Interesse an der Programmier-Welt hegst, informiere dich darüber, welche Chancen du hast.

Allerdings gibt es im deutschen Bildungssystem ein paar geschützte Berufsbezeichnungen, die diesen Seiteneinstieg nicht ermöglichen. Damit sind Berufe wie Architekt, Buchprüferinnen oder Steuerberater gemeint. Für diese Berufe ist eine vorherige Ausbildung, ein Hochschulabschluss oder zusätzliche Weiterbildungsmaßnahmen verpflichtend, da diese Voraussetzung für die Ausübung des jeweiligen Jobs sind. Wenn du dich also als Arzt berufen fühlst, ist da kein Quereinstieg möglich. Dafür müsstest du ein Medizinstudium ablegen. Damit zählt der Berufswechsel dann nicht mehr als Quereinstieg.

Mann tippt am Laptop
© Rido/Fotolia

Die wichtigsten Schritte zum Quereinstieg

Es soll ein neuer Beruf her, aber du weißt noch nicht genau wohin die Reise gehen soll? Dann findest du hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die dich bei deinen Überlegungen unterstützt. Wenn du schon längere Zeit darüber nachdenkst und eine konkrete Vorstellung über den Jobwechsel in eine neue Branche hast, kannst du gleich bei Schritt 3 anfangen.

Bevor du alles umkrempelst: Was ist der Grund für deinen Ärger?

  • die Tätigkeit?
  • das Unternehmen?
  • deine Kollegen?
  • dein Vorgesetzter?
  • einfach alles?

Wenn du nur in der Abteilung unzufrieden bist oder mit deiner Chefin nicht zurecht kommst, reicht es schon, wenn du dich nach einem neuen Unternehmen umschaust, aber in der Branche bleibst.

Merkst du allerdings, dass dir der frische Wind fehlt, dass dir die Arbeit einfach keinen Spaß mehr macht oder dass du dich umorientieren möchtest, dann ist der Quereinstieg eine passende Lösung.

Quereinstieg beginnt mit der Motivation.
Du willst einen Neustart? Okay. Mache als erstes eine Bestandsaufnahme und beantworte für dich folgende Fragen. Nimm dir dafür genug Zeit. In 5 Minuten fällt niemandem alles ein. Lass dir die Fragen am besten ein paar Tage im Kopf herumgehen.

  • Wie soll deine berufliche Zukunft aussehen?
  • Was hast du für Wünsche?
  • In welche Richtung möchtest du gehen?
  • Welche Ängste und Zweifel hast du?
  • Was möchtest du in deinem neuen Job, ja sogar in deinem neuen Berufsfeld, nicht mehr haben?
Tausche dich auch mit Freunden aus, die deine Stärken kennen und dich bei deiner Neuorientierung unterstützen.
Jetzt geht es in die tiefere Analyse. Du willst etwas in deinem Leben verändern? Dann solltest du u.a. folgende Fragen beantworten um einen Schritt weiterkommen. Das Ergebnis ist der Grundstein für deine Veränderung:

  • Seit wann bist du in deinem Job unzufrieden?
  • Welche Themen und Aufgaben interessieren dich?
  • Was macht dir in deinem jetzigen Job Spaß, was nicht?
  • Was belastet dich im Berufsalltag?
  • Was für ein Beschäftigungsverhältnis strebst du an? Festanstellung, Freiberuflichkeit?
  • Tapetenwechsel: Willst du deinen Bürojob gegen einen handwerklichen Beruf tauschen oder umgekehrt?
Nach deiner Analyse ist dir klar, was deine Talente und Stärken sind. Du hast deine Vorstellungen für deine neue berufliche Zukunft konkretisiert. Begib’ dich nun auf die Suche und lasse dich dabei auf vieles ein. Was begeistert dich? Was hört sich gut und richtig an? Sammle deine Ideen und Vorstellungen, um dann die Suche zu starten. Dein Bauchgefühl wird dir dabei helfen!

Das Wichtigste: Nicht aufgeben! Eine Neuorientierung ist nie einfach und mit dem Schritt in ein neues Berufsfeld wagst du einen großen Schritt in deinem Leben. Wenn du auf Stellenausschreibungen oder Unternehmen stößt, die zu deinen Vorstellungen und Wünschen passen, dann wage den Schritt und bewirb’ dich. Du musst nicht alle Kenntnisse erfüllen. Überzeuge mit deinen vorhandenen Fähigkeiten und deiner Begeisterung. Nutze dafür verschiedene Jobportale um dir einen Überblick über deinen Berufswunsch und offene Stellen zu machen. Falls du schon ein Unternehmen im Visier hast, lohnt es sich, auf den Unternehmensseiten selbst nach Karrieremöglichkeiten zu schauen, denn so erhältst du schon einen Einblick in das Unternehmen an sich. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, sich initiativ zu bewerben.
Schaue dich während deiner Neuorientierung nach passenden Weiterbildungen um. Vielleicht gibt es ja ein Seminar oder auch mehrtägige Veranstaltungen, mit Hilfe derer du notwendiges Know-How sammeln kannst. Oder frag doch einfach mal in deinem Bekanntenkreis herum, wer wen kennt, der deinen Berufswunsch ausübt. So erfährst du aus erster Hand, wie der Job ist.
Wenn es bei dir aber etwas tiefer in die Branche gehen soll, kannst du auch Praktika nutzen, um in die verschiedenen Tätigkeiten hineinzuschnuppern. Du wurdest gekündigt und hast von heute auf morgen nichts zu tun? Du bist fertig mit der Ausbildung, wirst nicht übernommen und willst weitere Erfahrungen sammeln? Dann hast du durch Praktika eine gute Möglichkeit, dich weiterzubilden und herauszufinden, welche Branche deine Interessen erfüllt. Finde hier interessante Praktika in ganz Deutschland.

Zusammengefasst: Die wichtigsten Voraussetzungen für einen beruflichen Neustart:

  • hohe Motivation, ein neues Berufsfeld kennenzulernen
  • konkretes Ziel haben
  • Quereinstieg vorab planen
  • verantwortungsbewusst handeln
  • Disziplin beibehalten
  • Netzwerk aufbauen
  • vielschichtige Erfahrungen mitbringen
  • Mut haben, sich neu zu beweisen

Erfolgreich als Quereinsteiger bewerben

Der Berufswunsch steht fest, du hast ein paar Stellenanzeigen favorisiert. Jetzt gehts an die Bewerbung. Das Wichtigste bei einer Quereinsteiger-Bewerbung ist die Motivation! Beim Bewerben zählt immer, individuell zu sein und seine Besonderheiten in den Fokus zu stellen. Doch beim Quereinstieg ist das ein Muss! Der Arbeitgeber muss Interesse an deiner Bewerbung bekommen.
Ob Initiativ- oder Standardbewerbung, diese Tipps helfen dir bei deiner Bewerbung als Quereinsteiger:

Baue ein Netzwerk auf

Für den beruflichen Neustart ist es von Vorteil, wenn du dich nicht nur auf der Unternehmensseite über das Unternehmen informierst, sondern auch weiteren Kontakt suchst. Netzwerke dich mit potenziellen zukünftigen Kollegen: Besuche Fach- und Jobmessen und knüpfe Kontakt über soziale Netzwerke. Gerade auf Fachveranstaltungen kannst du die unbekannten Branchen besser kennenlernen und den direkten Kontakt mit anderen Arbeitnehmern suchen.

Messestand mit Menschen im Hintergrund
© GoneWithTheWind/AdobeStock

Zeige deine Motivation

Der Arbeitgeber erhält zahlreiche Bewerbungen. Zeige in deinen Bewerbungsunterlagen deine Motivation und Leistungsbereitschaft für das neue, unbekannte Berufsfeld. Beweise, weshalb du die richtige Person für den Job bist. Gerade wenn du aus Leidenschaft zu deinen Interessen oder einer bestimmten Tätigkeit wechseln möchtest, ist das die besten Motivation, um den Quereinstieg zu meistern!

Nur weil jemand ein Abschlusszeugnis besitzt, ist er nicht automatisch auch gut in seinem Beruf.

Beweise dich

Deine bisherige Berufserfahrung ist eine große Stärke. Es macht nichts, wenn sie nicht 1 zu 1 zu deiner neuen gewünschten Tätigkeit passt. In der Stellenanzeige werden möglicherweise Erfahrungen gewünscht, die du vielleicht nicht besitzt. Doch es gibt Möglichkeiten wie du damit umgehen kannst.

  • Du wirst auf fehlende Kenntnisse angesprochen? Kein Problem, denn diese Hürde hast du schon in der Stellenausschreibung erkannt und dich entsprechend vorbereitet. Du kannst genau sagen wie du das Problem lösen möchtest und hast sogar schon spezielle Kurse im Auge.
  • Oder, dreh es einfach um: Zeig, wofür du geeignet bist. Stelle bisherigen Erfahrungen in den Vordergrund. Was sind deine besonderen Talente und Fähigkeiten, die genau in dieser Branche, in deiner neuen Tätigkeit, im zukünftigen Team noch fehlen? Damit machst du dich interessant und stichst heraus.

Bring Energie mit

Neuer Job, viele Aufgaben, wenig Erfahrung: Die erste Zeit als Quereinsteigerin kann belastend sein. Du hast eine längere Einarbeitungsphase und musst eventuell in deiner Freizeit Fortbildungen besuchen, um weitere Kenntnisse zu erhalten. Doch du hast es so gewollt – und so musst du es auch verkaufen! Zeige schon in der Bewerbung, dass du belastbar bist und deinen Neustart rockst.

Sei lernbereit

In deinem neuen Job musst du viel Lernbereitschaft zeigen. Du bringst zwar schon ein paar Erfahrungen mit, jedoch musst für deine neue Tätigkeit ausführlich eingearbeitet werden. Daher lohnt es sich, schon in der Bewerbung zu zeigen, dass du lernbereit bist. Wie wäre es, wenn du schon vorab nach möglichen Weiterbildungen und Kursen schaust, die dein Know-How für die neue Branche auffrischen können? Gib in der Bewerbung schon einmal an, falls du schon Kurse absolviert hast. So sehen die Personaler beim Sichten, dass du dir auch wirklich Mühe gibst und voller Disziplin an deinen neuen Lebensabschnitt gehst.

Schüler
© Jacob Ammentorp Lund/iStock

Nutze Referenzen

Du bist zuverlässig, arbeitest organisiert und strukturiert? Super. Deine Stärken müssen aber auch unter Beweis gestellt werden. Dabei helfen dir Referenzen aus deinem alten Job. Wenn nichts dagegen spricht, kann dein ehemaliger Vorgesetzter in Form eines Arbeitszeugnisses oder weiteren Referenzen dein Können nochmal verifizieren. Das kann bei deiner Bewerbung sehr hilfreich sein.

Chancen und Risiken: Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Für Quereinsteiger
Chancen
Risiken
neue Arbeitserfahrung
Ist der neue Beruf wirklich das, was man sich erhofft?
besondere Talente ausleben
falsche Vorstellung vom neuen Job
Charakterstärke unter Beweis stellen
Stress durch zusätzliche Fort- und Weiterbildungen
motiviert, frischer Blickwinkel
berufliche Umorientierung kann zu einem langen Prozess werden
Für Unternehmen
Chancen
Risiken
neue Sichtweisen und Methoden
erhalten
längere Einarbeitung
motivierte Mitarbeiter mit Begeisterung
für ihren Beruf
Arbeitnehmer kann schnell gelangweilt sein
Unternehmenskultur modernisieren
beim Bewerber doch die falsche Wahl getroffen?
aktives Veränderungsmanagement
Personallücken füllen
Du möchtest einen Tapetenwechsel in deinem Berufsleben?

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Hinweise:

  • Alle Berufsfelder und -bezeichnungen schließen, unabhängig von ihrer konkreten Benennung, sowohl weibliche als auch männliche Personen mit ein.
  • Wir machen außerdem darauf aufmerksam, dass unser Web-Angebot lediglich dem unverbindlichen Informationszweck dient und keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne darstellt. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung, die auf deine spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.