Arbeitslosengeld II: Die Unterstützung in schwierigen Lebenslagen

Das Arbeitslosengeld II wird umgangssprachlich auch Hartz IV genannt. Diese Unterstützung durch den Staat hilft dir in Krisenzeiten deinen Lebensunterhalt zu sichern. Du kannst dieses Geld in drei Lebenslagen beantragen:

  1. Wenn du schon länger arbeitslos bist.
  2. Wenn du keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I hast.
  3. Wenn dein Einkommen so gering ist, dass es nicht zum Leben reicht.

Wir erklären dir hier, ob und wie du es in Anspruch nehmen kannst.

Unterlagen
© Yuliya Tsyhun

In aller Kürze

  • Die Grundsicherung umfasst den Regelbedarf für den persönlichen Lebensunterhalt

  • Im Jahr 2021 beträgt dieser für eine erwachsene alleinstehende Person 446€

  • Die Vermögensprüfung entfällt nach einer Neuregelung bei Neuanträgen bis zum 31.12.2021

Wie viel Geld bekomme ich?

Das Arbeitslosengeld II deckt nur die Grundsicherung ab – also das Wichtigste, das man zum Leben braucht, wie z.B. Ernährung, Kleidung, Körperpflege etc. Dieser sogenannte „Regelbedarf“ wird jedes Jahr neu vom Staat festgesetzt. Im Jahr 2021 beträgt dieser Regelbedarf für eine erwachsene alleinstehende Person 446 €. Er wird monatlich pauschal ausbezahlt.
Je nachdem, wie du lebst (also zum Beispiel ob du Kinder hast) kann der monatliche Regelbedarf erhöht werden. Das nennt man „Mehrbedarf“. Das Arbeitslosengeld II kann auch weitere Kosten abdecken, die zum Leben gehören, wie beispielsweise monatliche Miet- und Heizkosten. Auch bei einmaligen Ereignissen kann das Arbeitslosengeld II helfen, zum Beispiel bei der Geburt eines Kindes.
Hier bekommst du einen Überblick, was genau für dich gilt: Regelbedarf und Mehrbedarf

Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld II?

Arbeitslosengeld II erhältst du, wenn alle folgenden Punkte auf dich zutreffen:

  • Du bist mindestens 15 Jahre alt.
  • Du bist noch nicht im Rentenalter.
  • Du wohnst in Deutschland und hast hier deinen Lebensmittelpunkt.
  • Du bist erwerbsfähig.
  • Du bist hilfebedürftig.

Was genau bedeutet „erwerbsfähig“?

Erwerbsfähig bedeutet ganz einfach, dass du in der Lage bist, mindestens 3 Stunden pro Tag zu arbeiten.

Nicht erwerbsfähig bist du, wenn du wegen einer Krankheit oder einer Behinderung nicht arbeiten kannst. In diesem Fall erhältst du kein Arbeitslosengeld II, kannst aber Sozialgeld oder Sozialhilfe beantragen.

Was genau bedeutet „hilfebedürftig“?

Hilfebedürftig bist du, wenn das Einkommen deiner sogenannten „Bedarfsgemeinschaft“ (das ist zum Beispiel deine Familie oder Lebensgemeinschaft mit Partnerin oder Partner) unter dem Existenzminimum liegt. Heißt: Dein oder euer Geld reicht nicht aus, um den Lebensunterhalt wie Miete und Essen zu bezahlen.

Nicht hilfebedürftig bist du, wenn du noch genügend Einkünfte oder Vermögen auf deinem Konto hast, um deinen Lebensunterhalt selbst zu sichern.

So beantragst du Arbeitslosengeld II:

Schau dir am besten genau das offizielle Antragsformular und die nötigen Vordrucke an. Die gibt es online auf den Seiten der Arbeitsagentur: Merkblätter und Formulare Diese Unterlagen benötigst du auf jeden Fall:

  • Gültiges Ausweisdokument
  • Nachweise über dein Einkommen
  • Nachweise über dein vorhandenes Vermögen
  • Nachweise über deine Ausgaben
  • Nachweise über deine früheren Leistungsbezüge (beispielsweise Arbeitslosengeld I)
  • Falls du gerade einen Job beendet hast oder gekündigt wurdest, benötigst du auch die Arbeitspapiere, die Kündigungsschreiben und eine Arbeitsbescheinigung deines Arbeitgebers

Alle Details findest du hier auf den Seiten der Arbeitsagentur: Arbeitslosengeld II beantragen.

Wann und wie lange wird das Arbeitslosengeld II ausgezahlt?

Das Arbeitslosengeld II gilt genau ab dem Tag, an dem du deinen Antrag stellst. Falls du in demselben Monat schon finanzielle Hilfe nötig hattest, erhältst du es auch rückwirkend für den Monat der Beantragung.

Ein Beispiel: Wenn du am 20.4. den Antrag stellst, bekommst du bei Bedarf das Geld für den ganzen Monat April noch rückwirkend ausbezahlt.

Danach erhältst du das Arbeitslosengeld II jeden Monat pauschal. Es wird zeitlich unbegrenzt ausgezahlt, solange du alle oben genannten Voraussetzungen erfüllst.

Aktuell: Was in Corona-Zeiten anders läuft

Aufgrund der Corona-Krise gibt es einige Dinge, die neu geregelt wurden:

  • Bei Neuanträgen, die bis zum 31. Dezember 2021 gestellt werden, wird die Vermögensprüfung vereinfacht, d.h. es wird erst nachträglich geprüft.
  • Das Jobcenter darf Besucher:innen derzeit nur sehr eingeschränkt empfangen. Informiere dich dazu bitte vorab bei deinem Jobcenter vor Ort. Deinen Antrag auf Arbeitslosengeld II kannst du aber in jedem Fall stellen: telefonisch, per Post, per E-Mail und online beim Service Jobcenter.digital. Hier erreichst du das Jobcenter in deiner Nähe.
  • Online kannst du nun auch einen vereinfachten Antrag auf Arbeitslosengeld II stellen.
  • Keine Sorge: Auch in Corona-Zeiten solltest du rechtzeitig deine Arbeitslosengeld II erhalten. Doch je schneller du alle benötigten Unterlagen einreichst, desto schneller können sie auch bearbeitet werden.

Die Höhe des Regelbedarfs

Beim Arbeitslosengeld II erhältst du monatlich eine festgelegte Geldsumme. Dieser Regelbedarf deckt folgende Dinge ab: Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie sowie Geld, um am sozialen und kulturellen Leben teilzunehmen.
Wie hoch dein Regelbedarf ist, siehst du in dieser Tabelle:

Berechtigte Regelbedarf geregelt nach
• Alleinstehende,
• Alleinerziehende,
• Volljährige mit minderjährigem Partner
446 €
§ 20 Absatz 2 S.1
• volljährige Partner
je 401 €
§ 20 Absatz 4
• Volljährige bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres,
Personen unter 25 Jahre, die ohne Zusicherung des
kommunalen Trägers umziehen (18-24 Jahre)
357 €
§ 20 Absatz 3 i.V.m.
§ 20 Absatz 2 S.2 Nr. 2
• Kinder bzw. Jugendliche im 15. Lebensjahr (14 Jahre)
bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres,
• minderjährige Partner (14-17 Jahre)
373 €
§ 20 Absatz 2 S.2 Nr. 1
§ 23 Nr.1
• Kinder ab Beginn des 7. Lebensjahres bis zur Vollendung
des 14. Lebensjahres (6-13 Jahre)
309 €
§ 23 Nr.1
• Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres (0-5 Jahre)
283 €
§ 23 Nr.1

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

Die Höhe des Mehrbedarfs

Falls du in einer besonderen Lebenssituation bist, hast du Anspruch auf eine höhere Geldsumme. Dann erhältst du zusätzlich zum Regelbedarf noch den „Mehrbedarf“. Ob er für dich gilt, ist individuell zu prüfen. Bitte frag dies bei deinem Jobcenter nach! Grundsätzlich gilt für folgende Fällen ein Mehrbedarf:

  • Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche erhalten Mehrbedarf von 17 % des Regelbedarfs
  • Alleinerziehende erhalten Mehrbedarf je nach Alter und der Anzahl der Kinder:
Alter Prozent
1 Kind unter 7 Jahren
36 Prozent
1 Kind über 7 Jahren
12 Prozent
2 Kinder unter 16 Jahren
36 Prozent
2 Kinder über 16 Jahren
24 Prozent
4 Kinder
48 Prozent
ab 5 Kinder
60 Prozent

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

  • Erwerbsfähige behinderte Menschen erhalten Mehrbedarf von 35 % des Regelbedarfs
  • Wer aus medizinischen Gründen eine kostspielige Ernährung braucht, erhält Mehrbedarf in angemessener Höhe
  • Falls ein absolut notwendiger, laufender, nicht nur einmaliger besonderer Bedarf besteht (z. B. um das Umgangsrecht mit einem Kind wahrzunehmen), wird unter bestimmten Voraussetzungen ein Mehrbedarf anerkannt
  • Wenn Warmwasser durch in der Unterkunft installierte Vorrichtungen (Durchlauferhitzer) erzeugt wird, wird gegebenenfalls ein pauschal gestaffelter Mehrbedarf anerkannt.
  • Voll erwerbsgeminderte Sozialgeldempfängerinnen ab Vollendung des 15. Lebensjahres, die Inhaberin eines Schwerbehindertenausweises mit dem Merkzeichen G sind, erhalten einen Mehrbedarf in Höhe von 17 % des Regelbedarfs.

Kurz und kompakt zusammengefasst

Wenn du schon länger ohne Job bist und dein Geld nicht zum Leben reicht, ist das Arbeitslosengeld II ein sinnvolles Hilfspaket. So kannst du die Zeit bis zur nächsten beruflichen Beschäftigung finanziell so gut wie möglich überstehen.

Wichtig zu wissen: Zuerst musst du deine vorhandenen Einkünfte und dein Geldvermögen einsetzen, um deinen Lebensunterhalt zu sichern. Nur wenn du hilfsbedürftig bist, alle oben genannten Voraussetzungen erfüllst und den Antrag vollständig und wahrheitsgemäß ausfüllst, erhältst du Arbeitslosengeld II. So bist du auch in Krisenzeiten finanziell abgesichert.


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