Die Probezeit – Erfolgreiche Kennenlernphase oder befürchteter Prüfstand?

Du hast die ersehnte Zusage erhalten und den Job in der Tasche. Dann geht meist erst mal die Probezeit los. Der Start im neuen Unternehmen sollte zum Kennenlernen und Einleben genutzt werden. Hier findest du alle wichtigen Infos zu Kündigung, Krankheit und Urlaub in der Probezeit. Erfahre außerdem, wie du dein neues Team während der Probezeit von dir überzeugen kannst.

Mann zeigt Mitarbeiter etwas auf dem Laptop
© linkedin-sales-navigator/unsplash

Warum gibt es eigentlich eine Probezeit und muss es sie geben?

Die Probezeit kann – muss aber nicht – zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden. Sie sollte im Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten werden. Die Probezeit ist vor allem als Orientierungs- und Kennenlernphase gedacht. Dabei soll nicht nur die Führungskraft, sondern auch die neu angestellte Person herausfinden, ob sie das Arbeitsverhältnis fortführen will.
Laut §622 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) darf die Probezeit max. 6 Monate dauern. Ist vorher eine kürzere Zeit festgelegt, kann diese verlängert werden. Das muss allerdings von beiden Parteien vereinbart werden und darf die Grenze von 6 Monaten nicht überschreiten.

Probezeiten sind nicht gesetzlich festgelegt, sondern optional und von Führungskräften individuell vereinbart. Ausnahme sind Berufsausbildungen. Diese müssen laut §20 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) mit einer Probezeit beginnen.
Normalerweise dauern Probezeiten zwischen 3 und 6 Monaten. Das ist abhängig von den Aufgaben für den Arbeitnehmer. Wenn du eine neue Stelle bei der gleichen Arbeitgeberin anfängst, werden Probezeiten normalerweise nur vereinbart, wenn sich die Tätigkeiten wesentlich von den vorherigen unterscheiden.

Mann und Frau auf einer Baustelle
© Gorodenkoff/AdobeStock

Vorsicht!

Die Probezeit ist nicht zu Verwechseln mit einem Probearbeitsverhältnis. Denn die Probezeit geht automatisch in den vorher unterschriebenen befristeten oder unbefristeten Arbeitsvertrag über. Das Probearbeitsverhältnis hingegen endet mit der Probezeit, sodass ein neuer Vertrag aufgesetzt werden müsste.

Die große Befürchtung – Kündigung in der Probezeit

Die Probezeit wird häufig gefürchtet, aus Angst, schnell und jederzeit gefeuert zu werden. Das hat aber grundsätzlich nicht mit der Probezeit zu tun, sondern damit, dass das Kündigungsschutzgesetz erst nach 6 Monaten eines Arbeitsverhältnisses beginnt. So kann nach §622 Abs. 3 BGB innerhalb der ersten 6 Monate mit einer Frist von 2 Wochen ohne angegebenen Grund eine Kündigung ausgesprochen werden. Beträgt die Probezeit also nur 3 Monate, kann die neu angestellte Person innerhalb der nächsten 3 Monate auch noch mit einer Frist von 2 Wochen gekündigt werden. Mach dir aber bewusst, dass das Unternehmen großen Aufwand betreibt, um eine neue Arbeitskraft einzustellen. Also starte positiv in den Job, lerne dein Team kennen und schaue, ob du dich wohl fühlst – denn auch du kannst kündigen.
Dauert die Probezeit 6 Monate, ist wichtig zu beachten, dass eine Kündigung auch noch am letzten Tag ausgesprochen werden kann und die Frist trotzdem nur 2 Wochen beträgt. Das Fristende muss also nicht innerhalb der Probezeit liegen. Nach §102 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) muss vor jeder Kündigung während der Probezeit der Betriebsrat angehört werden.

Kündigung bei Schwangeren und Schwerbehinderten in der Probezeit

Schwangere stehen bereits ab dem ersten Tag des Arbeitsverhältnisses unter einem besonderen Kündigungsschutz. Kündigt die Arbeitgeberin eine schwangere Angestellte, ohne dass sie von der Schwangerschaft weiß, dann hat die schwangere Arbeitnehmerin 2 Wochen Zeit, um sie darüber zu informieren und der Kündigung zu widersprechen.
Wird einem schwerbehinderten Angestellten in der Probezeit gekündigt, muss nicht nur der Betriebsrat, sondern auch die Schwerbehindertenvertretung angehört werden (§178 Abs. 2 SGB IX).

Sonderfälle: Krankheit und Urlaub

Was passiert, wenn Arbeitnehmer während der Probezeit krank werden? Wird die Probezeit dadurch verlängert und wie sieht das mit dem Gehalt aus?

Krankheit in der Probezeit

  • Wenn man längerfristig krank wird, verlängert das nicht die Probezeit. Verlängerungen müssen immer vereinbart werden.
  • Im Krankheitsfall besteht Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Das gilt allerdings erst 4 Wochen nach Beginn des Arbeitsverhältnisses.
  • In den ersten 4 Wochen gibt es Anspruch auf Krankengeld von der Krankenkasse.

Urlaub in der Probezeit

  • Anrecht auf den vollen Urlaub haben Arbeitnehmerinnen erst nach einem halben Jahr.
  • In der Probezeit haben Angestellte trotzdem Anspruch auf Urlaub. Allerdings nur anteilig pro Monat.
  • Dieser Anteil beläuft sich auf ein Zwölftel der Urlaubstage jeden Monat. Wurden also 24 Urlaubstage vereinbart, kannst du dir nach einem Monat 2 Urlaubstage nehmen.
Zwei Frauen am Arbeitsplatz
© cowomen/unsplash

Wie überzeuge ich während der Probezeit?

In der Probezeit lernst du das Unternehmen und dein Team kennen. Gleichzeitig macht sich deine Führungsperson und die Kollegschaft ein Bild von dir und deinen Fähigkeiten. Hier sind einige Tipps und Tricks, wie du das Unternehmen von dir überzeugen kannst:

  • Verantwortungsbewusstsein: Dazu zählt nicht nur selbstverständlich pünktlich und höflich sein, sondern auch deine Aufgaben fokussiert, sorgfältig und gewissenhaft zu erledigen.
  • Engagement: Gerade am Anfang weißt du vielleicht manchmal nicht, was du als nächstes machen sollst. Hier hilft es immer, Kollegen nach Aufgaben zu fragen. So wirkst du interessiert und bietest gleichzeitig deine Hilfe an.
  • Lieber aktiv als passiv: In den ersten Tagen heißt es oft erst mal beobachten, bescheiden auftreten und Fragen stellen. Trotzdem solltest du schnell versuchen Eigeninitiative zu zeigen, nicht auf Arbeit zu warten und stattdessen Ideen einzubringen. Achte hier aber immer darauf, dass du nicht arrogant oder “besserwisserisch” rüberkommst.
  • Kontaktfreudig sein: Geh auf dein neues Team zu und lerne sie kennen. Du machst vielleicht einen schlechten Eindruck, wenn du dich aus allem raushältst.
  • Ehrlichkeit währt am längsten: Jedem können Fehler passieren. Hier ist es am besten, wenn du schnellstmöglich meldest, was passiert ist. Achte darauf, dass du daraus lernst und dieser Fehler nicht wieder auftritt.

Feedback in der Probezeit

In der Probezeit sind Feedbackgespräche zwischen Vorgesetzten und den neu Angestellten besonders wichtig. Denn nur so können sich Arbeitnehmerinnen noch während der Probezeit verbessern und unter Beweis stellen.
Dabei kannst du ruhig aktiv auf deine Führungskraft zugehen. Bereite dich auf das Gespräch vor, dokumentiere deine bisherige Arbeit, weitere Ziele und mögliche Fragen. Frag bewusst nach Feedback zu deinen Aufgaben und nimm Kritik an. Statt dich bei Kritik angegriffen zu fühlen, solltest du nach Lösung suchen und damit punkten.
Du kannst deiner Vorgesetzten außerdem vorschlagen, dies zu einem regelmäßigen Termin zu machen, zum Beispiel in monatlichen Abständen. So kannst du eines der letzten Gespräche in deiner Probezeit dazu nutzen über eine mögliche Übernahme in das Unternehmen zu sprechen.

Zusammengefasst

Die Probezeit hat einen negativen Ruf. Doch sie ist nicht nur für Unternehmen, sondern auch für neu angestellte Personen gedacht. Denn in dieser Zeit musst du für dich entscheiden, ob du in der neuen Firma arbeiten willst und ob dir der neue Job, die unterschiedlichen Aufgaben und die Arbeit im Team gefallen.


Weitere Themen rund um die Jobsuche



Hinweise:

  • Alle Berufsfelder und -bezeichnungen schließen, unabhängig von ihrer konkreten Benennung, sowohl weibliche als auch männliche Personen mit ein.
  • Wir machen außerdem darauf aufmerksam, dass unser Web-Angebot lediglich dem unverbindlichen Informationszweck dient und keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne darstellt. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung, die auf deine spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.