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Mehr Freizeit ist nicht zu toppen

Frau mit Hund auf Sofa
© gradyreese/iStock

Köln, 08. Juni 2018

Die Mehrheit der Fachkräfte würde sich bei der Alternative „mehr Geld“ oder „mehr Freizeit“ für ein Mehr an freier Zeit entscheiden.

Was motiviert Mitarbeiter stärker: Geld oder die Aussicht auf mehr Freizeit? Arbeitgeber sollten sich diese Frage stellen, wollen sie im Wettbewerb um die besten Köpfe und Hände den Nerv ihrer Zielgruppen treffen. Eine Online-Umfrage vom Stellenmarkt meinestadt.de unter 9.252 Fachkräften zeigt: Die Mehrheit zieht den Freizeitausgleich einer höheren Vergütung vor. Einige Unternehmen haben sich schon auf den Weg gemacht: Der Trend geht in Richtung verkürzte und flexiblere Arbeitszeitmodelle.

Freizeit wichtiger als Geld

Grundsätzlich sind immerhin 31,6 Prozent der befragten Fachkräfte zufrieden mit der eigenen Work-Life-Balance. Weitere 36 Prozent sind zum Teil zufrieden und ein weiteres Drittel ist unzufrieden mit der Balance zwischen Job und Freizeit. Obwohl rund zwei Drittel nicht eindeutig unzufrieden sind mit dem Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatem, ist der Wunsch nach mehr Freizeit groß: 52,5 Prozent der Befragten würden sich für mehr Freizeit entscheiden, wenn sie die Wahl zwischen mehr Geld oder mehr Freizeit hätten.

Sich vom Anschreiben verabschieden

Sich vom Anschreiben verabschieden Das mobile Zeitalter läutet in den Bewerbungsprozessen das Ende des klassischen Anschreibens ein. Der Abschied dürfte nicht schwerfallen: Sein Wert für die Kandidatenauswahl gilt als gering – insbesondere bei Fachkräften. Bei vielen Jobs stellt sich tatsächlich die Frage, ob ein Anschreiben überhaupt erforderlich ist - beispielsweise bei Handwerkern oder Logistikern. Jede zweite Fachkraft gibt an, dass das Anschreiben eine “große Hürde” darstellt. Auffällig viele Teilnehmer vergleichen das Erstellen eines Anschreibens sogar mit einer “Schulprüfung” oder einem „Besuch beim Zahnarzt“.

Wunsch nach mehr Freizeit zwischen 30 und 40 Jahren am größten

Bei den unter 30-Jährigen würden 52,7 Prozent bei der vorgestellten Alternative mehr Freizeit wählen. In der Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen ist der Anteil mit 62,4 Prozent am höchsten. Nach einigen Berufsjahren scheint der Wunsch nach mehr Zeit für Familie, Freunde und andere private Aktivitäten somit am höchsten zu sein. In der Altersspanne zwischen 41 und 60 ist dieser Wunsch mit rund 60 Prozent immer noch ausgeprägt, nimmt aber ab. Kurz vor der Rente überwiegt dann deutlich der monetäre Aspekt. Die Befragten ab 61 Jahren würden sich zu 60,9 Prozent für mehr Gehalt entscheiden.

Fachkräfte im Handel legen den meisten Wert auf Freizeit

Das Bedürfnis nach mehr Freizeit variiert je Branche: Teilnehmer aus dem Handel liegen im Branchenvergleich an der Spitze und würden mit 61,3 Prozent mehr Freizeit bevorzugen. Im Pflegesektor sind es 58,1 Prozent und im Handwerk 52,8 Prozent. Einzig die Teilnehmer aus der Logistikbranche würden sich zu 52,8 Prozent für mehr Gehalt entscheiden.

Erste Unternehmen mit innovativen Arbeitsmodellen

Eine Bielefelder Kommunikationsagentur lebt dieses Modell schon heute: Dort wird 25 Stunden die Woche gearbeitet – und das bei voller Bezahlung. Der Chef der Agentur glaubt daran, dass sein Team mit fünf Stunden Arbeit pro Tag insgesamt glücklicher, motivierter und kreativer ist und so noch bessere Arbeit leistet.

Ab dem nächsten Jahr reduziert auch die Telekom die Wochenarbeitszeit von 38 auf 36 Stunden. Die Mitarbeiter kommen zwar weiter wie gewohnt 38 Stunden, bekommen aber zusätzlich bis zu 14 Tage Urlaub als Ausgleich. Außerdem führt der Großkonzern neue Teilzeitmodelle ein: Die Mitarbeiter können ihre Wochenstunden reduzieren, arbeiten aber auch hier wie gewohnt weiter und bekommen dafür zusätzliche freie Tage. Andere Arbeitgeber locken wiederum vermehrt mit großzügigen Urlaubsmodellen. Hier kommt der Trend aus den USA: Dort setzen einige Unternehmen bereits seit Jahren auf Vertrauensurlaub und gewähren den Mitarbeitern viel Flexibilität im Job.  

Trend geht in Richtung mehr Freizeit

Glaubt man psychologischen Studien, macht mehr Gehalt selten glücklicher. Eine geringere Arbeitszeit und der damit verbundene private Ausgleich hingegen schon. Ein Teilnehmer der Befragung bringt es auf den Punkt: „Ich arbeite, um zu leben. Nicht: ich lebe, um zu arbeiten!“ Für ein Mehr an Freizeit ziehen die Befragten auch einen Jobwechsel oder Teilzeitmodelle in Betracht. „Arbeitgeber müssen sich vor diesem Hintergrund fragen, wie die Arbeit der Zukunft aussehen kann und unter welchen Bedingungen ihre Mitarbeiter möglichst motiviert und effizient arbeiten. Gerade in Zeiten von Fachkräfteengpässen können innovative Arbeitszeit- und Urlaubsmodelle auch einen Wettbewerbsvorteil liefern. Hier kann der stärkere Fokus auf die Bedürfnisse potenzieller Bewerber entscheidend sein,“ so Wolfgang Weber, Geschäftsführer von meinestadt.de.

Vorschläge von Teilnehmern der Befragung für mehr Freizeit:

  • „ein Job in der Nähe des Heimatortes“
  • „effektiver arbeiten“
  • „frei wählbare Arbeitseinteilung, mehr Kommunikation mit dem Arbeitgeber“
  • „Jobwechsel“
  • „Überstunden verweigern“
  • „weniger Schlaf“
  • „mehr Gehalt, um weniger arbeiten zu müssen“
  • „während der Arbeit alles geben und früher gehen“
  • „auf Gehalt verzichten“
  • „Zeiten besser einteilen und mehr Prioritäten setzen“
  • „fleißig arbeiten und pünktlich Feierabend machen"
  • „35 Stunden Woche, das macht zufriedener“
  • „geregelte Arbeits- und Pausenzeiten, pünktlich Feierabend“
  • „Teilzeitarbeit“
  • „intensiver arbeiten“
  • „mehr Stunden am Tag, dafür ein Tag frei“

Über meinestadt.de

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