Mobbing am Arbeitsplatz – So gehst Du damit um

Jeder 8. wurde an seinem Arbeitsplatz schon einmal gemobbt, das geht aus einer Studie des Markt- und Sozialforschungsinstituts hervor. Demzufolge gibt es schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen, die im Job ungerecht behandelt werden. Wer hier Opfer wird ist damit immerhin nicht allein, auch wenn das ein schwacher Trost sein dürfte.

Junge Frau wird am Arbeitsplatz von Kollegen schikaniert

Was ist Mobbing am Arbeitsplatz?

Beim Mobbing handelt es sich nicht mehr um kleine Streitereien oder Konflikte im Büro, sondern um weitaus ernstere Angelegenheiten. Man kann zwischen der konfliktbelasteten Kommunikation unter Kollegen (“Staffing”) und zwischen Vorgesetzten und Untergebenen (“Bossing”) unterscheiden. Das Ziel ist oft die geplante Diskriminierung einer Person, mit der Absicht, den jeweiligen Mitarbeiter aus dem Unternehmen zu drängen.

Unabhängig von der Art des Mobbings ist es für die Opfer schwer, sich zu wehren, während Privatleben und Gesundheit darunter leiden.

Übrigens:

Das österreichische Bundesministerium für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz erklärt Mobbing am Arbeitsplatz als einen Angriff auf die psychischen, biologischen und sozialen Grundlagen eines Arbeitnehmers. Das heißt, er wird auf allen möglichen Ebenen angegriffen.

Wie entsteht Mobbing am Arbeitsplatz?

Laut Forschung ist Mobbing vor allem ein Gruppenphänomen, weniger die Folge eines Einzeltäters. Man spricht auch von einem “Mobbing System”, das aus Täter und Opfer, aber auch Mitläufern, Zuschauern und Wegschauern besteht.

Die Ursachen

Diese Gründe können hinter dem Mobbing stecken:

  • Deine Kollegen sind neidisch auf deine Leistungen – du bringst gute Leistung und hast Erfolg. Eine Beförderung kann den empfundenen Neid deiner Kollegen noch zusätzlich verstärken.
  • Du hast ein gutes Verhältnis zu deinen Vorgesetzten. Ihr seid auf einer Wellenlänge oder arbeitet ähnlich. Du wirst aber als Liebling der Führungsperson abgestempelt und ausgegrenzt.
  • Deine Lebensumstände sind deinem Kollegium fremd – du hast zum Beispiel Kinder und verlässt deshalb die Arbeit freitags früher, während deine Kolleginnen und Kollegen gern noch zusammen weggehen, während du Zeit mit deinen Kindern verbringst.

Die Phasen des Mobbings

Phase 1 – Oftmals beginnt das Mobbing mit einem ungelösten Konflikt. Dem Mobbingopfer wird dann die Schuld daran gegeben und es folgen subtile Angriffe auf die Person.

Phase 2 – Der ursprüngliche Konflikt tritt in den Hintergrund und das Mobbingopfer wird von anderen gemieden, die Zusammenarbeit wird im schlimmsten Fall boykottiert. Es kommt Verunsicherung beim Opfer auf.

Phase 3 – Vor allem wenn das Opfer sich bis zu diesem Punkt nicht wehrt, wird die Aggression gesteigert. Die Angriffe erfolgen immer offener und die Situation eskaliert. Das Selbstwertgefühl schwindet und es kommt zu Konzentrationsschwierigkeiten. Das führt zu mehr Fehlern bei der Aufgabenerfüllung. Der psychische Druck steigt mehr und mehr.

Phase 4 – Oft scheint die Kündigung der letzte Ausweg.

Die Folgen des Mobbings

Egal wo das Mobbing stattfindet, es kann schwerwiegende Folgen haben. Als Opfer kannst du auf Dauer starke gesundheitliche Beeinträchtigungen davontragen. Körperliche und seelische Probleme sind die direkten Folgen. Im schlimmsten Fall kann es zu Suizidgedanken und -versuchen kommen.

Die häufigsten Folgen von Mobbing:

  • Stresssymptome wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen
  • Sinkendes Selbstbewusstsein
  • Isolation
  • Beschwerden und Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Depressionen

Daneben hat Mobbing auch negative Folgen für den jeweiligen Betrieb. Es kann zu erhöhten Fehlzeiten der gemobbten Mitarbeiter kommen und die Qualität und Produktivität der Arbeit kann sinken.

Info:

Auch unbeteiligte Kollegen können beeinträchtigt sein. Sie können große Angst davor entwickeln, selbst gemobbt zu werden.
Mann leidet an Kopfschmerzen aufgrund sozialen Drucks

Ich werde gemobbt ... Was soll ich tun?

1. Führe Tagebuch!

Das mag zwar merkwürdig klingen, kann aber sehr hilfreich sein, um den Mobbingverlauf zu stoppen. Wer ist der Mobber? Und welche Personen sind noch beteiligt? Wer schlägt sich auf deine Seite und wer sieht bloß weg? Wie wirkt sich das Mobbing auf deine Gesundheit und Gefühle aus? Besonders bei rechtlichen Fragen kann diese Dokumentation eine Unterstützung bieten.

2. Typische Handlungen kennenlernen

Manchmal ist es schwer, zu unterscheiden, wann eine Handlung als Mobbing ausgelegt wird und wann nicht. Verschiedene Studien durch Arbeitspsychologen haben seit den 1980er Jahren verschiedenste Mobbinghandlungen definiert und in Kategorien unterteilt. Hier findest du die 45 typischsten Mobbinghandlungen nach dem Forscher Heinz Leymann, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigte.

3. Verbündete suchen

Suche dir kollegiale Unterstützung. Auch wenn das Mobbing immer ein Gruppenphänomen ist, werden sich innerhalb dieser Gruppe auch Personen finden, die auf deiner Seite sind. Sprich über die Vorfälle auch mit dem Betriebsrat, deinem Vorgesetzten, der Personalleitung oder der Geschäftsführung. Um inneren Stress und eigener Unzufriedenheit vorzubeugen, kannst du mit Freunden und Familie über die Probleme auf der Arbeit sprechen und so dein seelisches Gleichgewicht etwas besser bewahren.

4. Wehr’ dich!

  • Sprich dich aus: Am besten mit dem Mobber und im Beisein eines Dritten.
  • Verbale Verteidigung! Ziehe einen Schlussstrich und fordere den Mobber dazu auf, dir mit Respekt zu begegnen.
  • Faires Verhalten einfordern: Frage nach offener Aussprache.
  • Ziehe Grenzen! Solltest du angeschrien werden, reagiere symbolisch. Verlasse zum Beispiel einfach den Raum.
  • Verunsichere den Mobber: Durch Verbündete an deiner Seite demonstrierst du wachsende soziale Unterstützung im Team.
  • Isoliere den Mobber! Du kannst die Übergriffe publik machen und eine klare Anti-Mobbing-Haltung einnehmen. Auch eine Drohung mit rechtlichen Konsequenzen kann hilfreich sein.

5. Stärke dich selbst

Stressbewältigung ist das A und O in solchen Situationen. Vielleicht helfen dir Meditation, Sport oder Entspannungsübungen. Gestehe dir Schwächen ein und stell dir die Frage: Wie kann ich meine Schwächen in Stärken umwandeln?



Hinweise:

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