Crowdworking: Digitale Tagelöhner oder selbstbestimmter Nebenjob

Den Job im Büro hinter sich lassen und stattdessen seine Brötchen von zuhause aus verdienen? Genau das ist bei Crowdworking möglich. Dafür brauchst du nur einen Internetanschluss und schon kannst du dir deine Aufträge aussuchen. Das Arbeitsmodell verspricht Flexibilität und viel Freiheit. Da es jedoch noch am Anfang seiner Entwicklung steht, gibt es auch einige Schattenseiten.

Illustration Crowdworking

Was ist Crowdworking eigentlich?

Beim Crowdworking werden Einzelaufträge, die auf digitalen Plattformen zur Verfügung stehen, von Arbeitskräften, den Crowdworkern, ausgesucht und selbstständig bearbeitet. Sie brauchen also nur einen Internetanschluss und müssen sich auf den Plattformen online registrieren. Ob es zu einem Auftrag kommt, hängt jedoch von beiden Seiten ab: Den Arbeitnehmern, die sich ihre Aufträge auswählen und den Auftragsstellern, die sich für einen Crowdworker entscheiden müssen. Um seine Qualifikationen zu zeigen, müssen daher auf vielen Plattformen vorher Tests absolviert werden oder Arbeitsproben gezeigt werden.
Das gilt vor allem für komplexere Aufträge. Dabei müssen Crowdworker manchmal im Team an einem Projekt arbeiten. Für die meisten Aufträge braucht man jedoch nicht viel Expertise und kann sie auch ohne Vorkenntnisse bearbeiten. Crowdworker müssen zum Beispiel Webseiten oder Apps testen, Video- und Sprachaufnahmen oder Texte erstellen, Logos und Grafiken designen oder Umfragen beantworten. Wichtig ist, die Plattform nach deinen Fähigkeiten zu wählen.
Die Art der Aufträge entscheidet auch über deinen Verdienst. Einfache Jobs, die schnell bearbeitet werden können, sind logischerweise schlechter bezahlt. Hier kannst du mit einem Nettoeinkommen von etwa 50 € im Monat rechnen. Aufträge, für die du Vorkenntnisse brauchst, bringen dir einen größeren Verdienst. Bist du zum Beispiel im Bereich Grafikdesign oder Programmierung tätig und übernimmst dort komplexe Aufgaben, kannst du auch über 500 € im Monat verdienen. Das sind allerdings eher Ausnahmefälle. Die Bezahlung hängt also stark vom Schwierigkeitsgrad ab.

Tipp:

Wenn du Crowdworking als Nebentätigkeit ausübst, muss deine Arbeitgeberin zustimmen. Außerdem ist Crowdworking steuerpflichtig und muss beim Finanzamt angegeben werden.

Crowdsourcing und Clickworking – Was bedeutet das?

Der Begriff Crowdsourcing verbindet die Wörter “Crowd” (Masse) und “Outsourcing” (Ausgliederung von Dienstleistungen). Beim Crowdsourcing bietet also ein Unternehmen Einzelaufträge einer unbekannte Masse an Arbeitskräften an. Dies geschieht über digitale Crowdsourcing-Plattformen. So können Unternehmen Dienstleistungen günstiger einkaufen. Sie bezahlen nur das, was sie wirklich brauchen und müssen keine Festanstellungen tätigen. Zusätzlich profitieren sie von der Kreativität und dem Wissen einer ganzen Masse, die schneller arbeiten kann, als nur ein Arbeitnehmer. So beschleunigen Unternehmen ihre Prozesse effizient.
Viele Unternehmen sind von der Arbeitsweise allerdings noch nicht begeistert. Manche Jobs können nicht outgesourct und stattdessen nur intern bearbeitet werden. Außerdem fürchten sie eine mangelnde Qualitätskontrolle, da sie beim Crowdworking nur das Ergebnis erhalten und nicht die Arbeitsweise überprüfen können.

Das Clickworking beschreibt die schnellen und einfachen Arbeitsaufträge im Crowdworking. Dazu zählen zum Beispiel die Eingabe von Daten oder das Verfassen kurzer Texte. Die sogenannten Mikrojobs werden sehr schlecht entlohnt. Bei Texten gibt es oft nur Centbeträge auf Wortpreis-Basis. Für eine akzeptable Vergütung muss hier also eine sehr hohe Anzahl an Aufträgen bearbeitet werden.

Eine Frau arbeitet am Laptop
© lamaip/AdobeStock

Vor- und Nachteile von Crowdworking

Das Arbeitsmodell Crowdworking steht noch ganz am Anfang seiner Entwicklung. Es bietet zwar einige Vorteile, die Arbeitnehmerinnen anziehen. Jedoch birgt es ebenso Gefahren und Risiken, denen du dir bewusst sein solltest.

Vorteile:

  • Für Jedermann: Die Aufträge beim Crowdworking haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Hier hast du die Möglichkeit, auch ohne Vorkenntnisse Geld zu verdienen.
  • Ungebunden sein: Flexibilität ist ein Wunsch vieler Arbeitnehmer. Als Crowdworker bist du weder zeitlich noch räumlich gebunden. Du kannst flexibel von zuhause aus arbeiten. Voraussetzung ist nur ein Internetanschluss.
  • Selbstbestimmt durchs Leben: Du entscheidest aus einer Vielzahl an Aufträgen, welche du bearbeiten willst. Such dir das aus, was du gerne machen möchtest. Da du Konkurrenz auf den Plattformen hast, muss sich die Arbeitgeberin allerdings für dich entscheiden.
  • Taschengeld: Crowdworking ist ideal dafür, die Geldbörse aufzufüllen. Verdien’ dir ein paar Euro nebenbei dazu und finanzier so deine nächste Reise.
  • Auftragsflauten: Selbstständige kennen es nur zu gut. Mal gibt es mehr, mal weniger Aufträge. In dem Fall kannst du dir mit Crowdworking dein Portfolio ausbauen und hast während der Flaute einen Nebenverdienst.

Nachteile:

  • Konkurrenz: Die Plattformen sind übersät von motivierten Arbeitskräften. Da kann es schwierig werden, viele Aufträge zu erhalten.
  • Ohne Moos nix los: Bei Aufträgen wie Textarbeit lässt sich der Aufwand schlecht überprüfen. Häufig ist dieser so hoch, dass die Entlohnung im Verhältnis zu gering ausfällt. So verdienen Crowdworker weit unter dem Mindestlohn.
  • Wenig Aufträge: Unternehmen zögern, Aufträge an die unbekannten Arbeitnehmerinnen zu geben – aus Angst vor fehlender Kontrolle. So kann die Auftragslage auf den Plattformen schwanken.
  • Kein Schutz: Crowdworker haben keinen Arbeitgeber, sind also nicht über diesen kranken- und sozialversichert. Du erhältst demnach auch kein Urlaubsgeld und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
  • Billige Arbeitskräfte: Crowdworker haben den Ruf als digitale Tagelöhner. Hier besteht die Gefahr, dass Unternehmen sich die Arbeitskräfte zunutze machen und reguläre Arbeitsplätze verdrängt werden können.

Gefahren für Crowdworking

Das Arbeitsmodell Crowdworking steckt noch in den Kinderschuhen und lässt sich nur schwer durch das Arbeitsrecht kontrollieren. Das Schwierige an der rechtlichen Lage ist, dass es keinen Arbeitgeber gibt. Also nehmen die Crowdsourcing-Plattformen diese Rolle ein. Für den Crowdworker gelten also die Regeln und Richtlinien der Portale. Trotzdem sind die Plattformen nur Vermittler von Arbeit und umgehen so die Pflichten einer Arbeitgeberin. Crowdworker sind demnach über keinen Arbeitgeber kranken- und sozialversichert und erhalten weder Urlaubsgeld noch Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Das Risiko liegt ganz bei ihnen.
Herausforderung beim Crowdworking ist also, faire Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dazu zählt hauptsächlich eine faire Entlohnung. In einem ersten Schritt haben viele Plattformen ein Bewertungssystem entwickelt, mit dem die Leistung der Arbeitskräfte bewertet werden können. So sammeln sie Referenzen und werden schneller für neue Aufträge gewählt.

Eine Frau arbeitet zuhause an ihrem Schreibtisch
© monkeybusiness/AdobeStock

Welche Plattformen gibt es?

Crowdsourcing-Plattformen spezialisieren sich unterschiedlich. Auf den jeweiligen Plattformen findest du also unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, Komplexität und Bereiche der Aufträge. Hier findest du einige Beispiele:

  • Clickworker: Auf einer der größten Crowdsourcing-Plattformen findest du hier vor allem Mikrojobs. Aber auch Aufträge zur Texterstellung werden angeboten.
  • AppJobber: Hier ist ein Smartphone wichtig. Damit lädst du eine App runter und findest so Mikrojobs in deiner Nähe. Meistens geht es darum, Fotos und Videos im Außenbereich zu machen oder Belege zu sammeln.
  • Amazon mechanical turk: Auch auf dieser Plattform werden Mikrojobs angeboten. Du brauchst keine Vorkenntnisse. Die Aufgaben sind also einfach, aber die Vergütung dementsprechend niedrig.
  • Rapidusertests: Hier gibt es Aufträge, bei denen du Webseiten und Apps testen musst. Dadurch wird die Benutzerfreundlichkeit gesteigert und Fehler können behoben werden. Für 30 Minuten Arbeit verdienst du 6-10 €.
  • 99 Designs: Statt Mikrojobs findest du hier spezialisierte und komplexe Aufträge im Bereich Logo Design, Design und Grafik. Entsprechende Vorkenntnisse brauchst du also, um dich für Aufträge zu qualifizieren.

Fazit

Crowdworking steht noch in den Startlöchern. Es bietet Arbeitnehmern einige Vorteile wie Flexibilität oder selbstbestimmtes Arbeiten und erfreut sich daher wachsender Beliebtheit. Jedoch ist das Arbeitsmodell rechtlich noch nicht abgesichert und so gibt es keinen Schutz für die Arbeitnehmerin. Da es keinen Arbeitgeber gibt, sind die Richtlinien auf den Plattformen bindend. Du solltest also immer die AGBs der Seiten lesen und am besten von einem Experten prüfen lassen.
Die Aufträge werden von Unternehmen besonders günstig ausgelagert. Dadurch ist die Vergütung extrem niedrig und die Arbeitskräfte behalten weiterhin den Ruf von digitalen Tagelöhnern. Crowdworker sollten also auf jeden Fall eine Aufwand-Nutzen-Rechnung durchführen, um sich nicht ausbeuten zu lassen. Trotzdem müssen sie eine große Masse an Aufträgen bearbeiten, um einen ansehnlichen Verdienst zu erhalten.



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