Praktikum – Probieren geht über Studieren

Du grübelst und grübelst über den perfekten Job für dich? Ganz einfach findest du das heraus, indem du ein Praktikum machst. Wir zeigen dir, was du bei der Suche und Bewerbung beachten musst, welche Rechte und Pflichten du hast und auch, ob ein Praktikum überhaupt das richtige für dich ist.

Praktikant

Das passende Praktikum

Du weißt noch nicht in welchen Beruf du später einsteigen möchtest, hast einfach Lust in einen anderen Job hinein zu schnuppern oder dich neu zu orientieren? Das sind alles Situationen, in denen dir ein Praktikum weiterhilft. Praktika sind für dich immer sinnvoll. Egal ob du Schüler oder Studentin bist oder sogar schon eine abgeschlossene Ausbildung hinter dir hast.

Packt dich die Neugier etwas Neues auszuprobieren? Mach doch ein Praktikum und finde heraus, was dich glücklich macht!

Was für ein Praktikum soll es sein?

Es gibt verschiedene Formen von Praktika, die sich zwischen dem gewählten Zeitpunkt und deinem verfolgten Ziel unterscheiden. Wir stellen dir die wichtigsten vor:

  • 2-3 Wochen
  • während der Schulzeit
  • bietet Einblick in die Arbeitswelt und eine für dich interessante Branche
Ein Schulpraktikum ist während deiner Schullaufbahn Pflicht und findet meist in der 9. bis 11. Klasse statt.
  • 3-6 Monate
  • Pflicht im Studium oder der Ausbildung
  • Anwendung der erworbenen Kenntnisse
Während deines Studiums oder deiner schulischen Ausbildung ist es vorgesehen, dass du deine theoretischen Kenntnisse praktisch vertiefst. Meist finden die Praktika im letzten Drittel deiner Ausbildung statt und sind verpflichtend.
Als Student kannst du dir sogar Werkstudentenstellen als Pflichtpraktikum anrechnen lassen.
  • beliebig lang
  • während schulfreier/vorlesungsfreier Zeit, nach deiner Ausbildung, vor einem Berufswechsel
  • Erweiterung deines Portfolios, Neuorientierung
Ein freiwilliges Praktikum bietet sich an, wenn du Lust auf etwas Neues hast und dich in der großen weiten Berufswelt orientieren möchtest. Auch als Quereinsteiger ist ein Praktikum eine super Möglichkeit, in die neue angestrebte Branche zu schnuppern.

Steckst du gerade mitten in deiner Ausbildung und hast Urlaub, ist ein freiwilliges Praktikum leider nichts für dich. Denn laut § 8 des Bundesurlaubsgesetzes darfst du währenddessen „keine dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit leisten“.

Tipps rund um Bewerbung und Co.

So sammelst du Pluspunkte

  • Überlege gut – Denke vor der Suche darüber nach, was dich wirklich interessiert und ob du die Anforderungen deines Wunsch-Unternehmens erfüllst. Bloß nichts dazumogeln!
  • Sei einzigartig – Eine individuell zugeschneiderte Bewerbung beeindruckt mehr als Copy&Paste.
  • Vorbereitung ist alles – Wirst du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, mach dich schlau und punkte mit wichtigem Wissen über das Unternehmen!
  • Wirke interessiert – Bereite dich auf Fragen, wie beispielsweise deine Stärken und Schwächen vor. Überlege dir auch eigene spannende Fragen, die zeigen, dass du motiviert bist!
Frau recherchiert am Laptop
© eclipse_images/iStock
Händeschütteln beim Vorstellungsgespräch
© Viacheslav Iakobchuk/AdobeStock

Das ist zu beachten

  • Weniger ist mehr – Mache nur die Angaben, die für das Unternehmen interessant sind.
  • Rechtschreibfehler – Lies dir deine Bewerbung lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig durch. Findet ein Personaler Rechtschreib- oder Grammatikfehler, wird deine Bewerbung schnell aussortiert.
  • Schaue auf die Uhr – Pünktlichkeit wird beim Bewerbungsgespräch großgeschrieben. Sei lieber früher als später da!
  • Wähle ein passendes Outfit – Je nach Unternehmen, sind andere Outfits gefragt. Bewirbst du dich bei einer Unternehmensberatung, ziehe Bluse oder Hemd an. Bei einem kleinen Start-Up oder kreativen Betrieben kannst du ohne Sorge in ordentlicher Alltagskleidung erscheinen.

Tipp:

Bewirb dich früh genug! Je nach Größe des Unternehmens bewirbt man sich bis zu einem Jahr vor Praktikumsbeginn.

Deine Rechte und Pflichten

Während deines Praktikums hast du sowohl Rechte, als auch Pflichten, die vielen noch nicht bewusst sind. Wir klären dich auf!

Beginne dein Praktikum nicht, bevor du keinen Praktikumsvertrag hast. Dieser muss zwar nicht zwingend abgeschlossen werden, ist aber sehr wichtig. Denn darin stehen alle wichtigen Informationen bezüglich deines Praktikums, wie Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, deine Vergütung und vieles weitere. Gibt es Probleme mit deiner Arbeitgeberin, ist der Vertrag wichtig, um zu schauen, wer im Recht ist.
Seit der Einführung des Mindestlohns haben Praktikanten Anrecht auf den Mindestlohn, der seit dem 1. Januar 2019 9,19 € beträgt. Denn laut dem Mindestlohngesetz (§ 22 Abs. 1 MiLoG) giltst du als Praktikant im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (§ 26 BBiG) als Arbeitnehmer und wirst entsprechend bezahlt. Das passiert jedoch nur, wenn du bestimmte Voraussetzungen erfüllst.

Beantworte die folgenden Fragen und finde heraus, ob du Anspruch auf Mindestlohn hast!
  • Dauert dein Praktikum mindestens 3 Monate?
  • Bist du über 18?
  • Absolvierst du das Praktikum nicht als Pflichtpraktikum im Rahmen deiner Ausbildung?
Wenn du diese Fragen alle mit “Ja” beantwortet hast, hast du ein Anrecht auf den Mindestlohn!

Wenn du diese Fragen mit “Nein” beantwortet hast, ist dein Arbeitgeber nicht verpflichtet dir den Mindestlohn auszuzahlen. Viele Unternehmen zahlen dir, als Pflichtpraktikantin aus Kulanz dennoch ein kleines Gehalt. Als Praktikant verdienst du durchschnittlich 1.098,67 €.
Wenn es um deinen Urlaubsanspruch geht, gelten ähnliche Regeln wie bei der Bezahlung. Absolvierst du ein Pflichtpraktikum, hast du keinen Anspruch auf Urlaub. Entscheidest du dich für ein freiwilliges Praktikum, das du aus eigener Interesse antrittst, hast du mit einer geregelten Arbeitswoche gesetzlich geregelten Anspruch auf Urlaub.

Das Mindesturlaubsgesetz schreibt pro Monat zwei Urlaubstage vor (BurlG §3). Voraussetzung ist jedoch, dass du mindestens einen Monat als Praktikant beschäftigt wirst und über 18 Jahre alt bist.
Deine Arbeitszeit beträgt während deines Praktikums regelmäßig 8 Stunden pro Tag. Das bedeutet, dass du mal 9 Stunden oder mal 7 Stunden arbeiten kannst, deine Durchschnittsarbeitszeit jedoch bei 8 Stunden liegen sollte. Je nach Branche ist es möglich, dass du mal an einem Sonn- oder Feiertag arbeitest. Ist das der Fall, steht dir laut dem Arbeitszeitgesetz ein Ersatzruhetag zu. (§ 10 ArbZG)

  • Bei Schichtarbeit darf die maximale Arbeitszeit 10 Stunden inklusive Ruhepausen betragen.
  • Pro Woche darfst du 5 Tage arbeiten.
  • Zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn müssen mindestens 12 Stunden liegen.
In welche Versicherungen du während eines Praktikums einzahlst und welche Versicherungen überhaupt notwendig sind, hängt von der Art und Dauer deines Praktikums ab.

Hier ein paar Fakten:

  • Verdienst du unter 450 € oder absolvierst du ein Pflichtpraktikum, bist du nicht sozialversicherungspflichtig.
  • Bei einem Pflichtpraktikum zahlst du in die Kranken,- und Pflegeversicherung ein, wenn du mehr als 400 € verdienst.
  • Unabhängig von der Art und Dauer deines Praktikums bist du im Falle eines Arbeitsunfalls gesetzlich unfallversichert.
  • Verdienst du zwischen 451 und 850 € im Monat, zahlst du in die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ein.
  • Verdienst du mehr als 850 €, teilst du dir die Sozialversicherungsbeiträge mit deiner Arbeitgeberin.
  • Bis 25 Jahre kannst du dich kostenlos über die Familienversicherung absichern.
Während eines Praktikums, befindest du dich anfangs erstmal in der Probezeit. Die Länge dieser Zeit richtet sich nach der Länge deines Praktikums. Absolvierst du beispielsweise ein dreimonatiges Praktikum, beträgt deine Probezeit circa 2 Wochen.
Währenddessen kannst du dein Praktikum kündigen, ohne eine bestimmte Frist einzuhalten. Nach der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist meistens 4 Wochen.
Neigt sich dein Praktikum langsam dem Ende zu, solltest du dich über ein Praktikumszeugnis informieren. Nach einem Pflichtpraktikum bekommst du meistens eine Bescheinigung, dass du in einem bestimmten Zeitraum im Betrieb tätig warst. Bei einem freiwilligen Praktikum fällt es ausführlicher aus und du bekommst ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Es werden nicht nur deine Tätigkeit und der Zeitraum genannt, sondern es werden auch deine Leistung und dein Sozialverhalten bewertet.

Diese Aufgaben warten auf dich

Du denkst, als Praktikant verbringst du deine meiste Zeit mit Kaffee kochen und den Kopierer bedienen? Glücklicherweise sind das meistens Klischees. Natürlich kann es mal sein, dass du Aufgaben erledigst, die dir nicht so viel Spaß bereiten, doch je nach Branche und Erfahrung trägst du als Praktikantin viel Verantwortung.
Gerade in der Anfangszeit wissen deine Vorgesetzten und Kollegen noch nicht, wie sie deine Fähigkeiten einschätzen können und werden dir erst kleinere Aufgaben geben.

Meistens unterstützt du ein Team im Betrieb oder wirst in mehreren Teams eingebunden. So sammelst du Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen. Im besten Fall arbeitest du bei allen Abläufen einmal mit und unterstützt Festangestellte bei ihrem Tagesgeschäft. Um dich richtig zu spezialisieren, bleibt während eines Praktikums keine Zeit, doch so bekommst du einen guten Überblick.

Arbeitskollegin erklärt einem Praktikanten etwas
© shock/AdobeStock

Wie dein tatsächlicher Aufgaben- und Verantwortungsbereich aussieht, ist allerdings von Branche zu Branche sehr unterschiedlich. Machst du dein Praktikum beispielsweise in einem Gericht, wirst du mehr zuschauen, als aktiv Aufgaben erledigen.

Tipp:

Frage nach Aufgaben und versuche deine Ideen einzubringen. Das zeugt von Interesse und Motivation!

Praktikum, Hospitanz, Trainee... – Die Unterschiede

Praktikum Hospitanz Trainee Werkstudent
Dauer
4 Wochen bis 6 Monate
bis zu 3 Monate
6 bis 24 Monate
meist befristet auf 1 Jahr (mit Möglichkeit auf Verlängerung)
Maximale Stundenanzahl
40
40
40
20
Deine Rolle
Projekt-unterstützung
Beobachtung
gezielter Berufseinstieg
Unterstützung des täglichen Geschäfts

Praktikum oder studentischer Nebenjob?

Bis auf die Dauer und die Stundenanzahl in der Woche unterscheiden sich Praktika und studentische Nebenjobs nicht sehr.

Doch welche Tätigkeit macht sich besser auf deinem Lebenslauf oder bringt dir mehr?

Grundsätzlich kommt es weniger auf die Beschreibung deiner Tätigkeit an sich an, sondern mehr auf deine Aufgaben, die du übernommen hast und dein Arbeitszeugnis, das dir ausgestellt wird.

Ein Praktikum gibt dir einen guten Überblick über den für dich interessanten Beruf. Du lernst, worauf es ankommt und begleitest Projekte. Als Werkstudent lernst du hingegen viele Abläufe besser kennen und bist daran beteiligt. Im Gegensatz zum Beruf an sich, wird dir mehr das tägliche Geschäft näher gebracht und du hast außerdem gute Chancen, nach deinem Studium übernommen zu werden. Bei einem Praktikum bekommst du vorerst die Möglichkeit in den Beruf zu schnuppern und dann zu entscheiden, ob es das richtige für dich ist. Falls ja, hast du danach oft die Möglichkeit, als Werkstudent im Unternehmen zu bleiben. Beide Tätigkeiten bieten also ihre Vorteile.

6 Gründe für ein Praktikum im Ausland

Du suchst eine besondere Herausforderung? Dann ist ein Praktikum im Ausland das richtige für dich. Eine neue Sprache, neue Kulturen und ein neues Umfeld – Wir nennen dir 6 Gründe für ein Abenteuer im Ausland:

Junge Frau schreibt an ein Board
© Jacob Lund/AdobeStock
  1. Erlernen einer neuen Sprache – Fremdsprachenkenntnisse sind mittlerweile oft gefordert. Und wo kann man eine Fremdsprache besser lernen, als im Land selbst?
  2. Kombination aus Arbeit und Urlaub – Du wolltest schon immer mal in ein bestimmtes Land reisen? Dann bewirb dich dort für ein Praktikum. Während deiner Freizeit hast du genügend Möglichkeiten das Land zu erkunden.
  3. Bewerbungschancen – Ein Auslandspraktikum sorgt häufig für bessere Karten, da du dir im Ausland viele Kompetenzen aneignest, die Arbeitgeber suchen.
  4. Vitamin B – Während deines Auslandspraktikums wirst du viele internationale Kontakte knüpfen, von denen du in deinem Berufsleben profitierst.
  5. Persönliche Erfahrungen – Ein Aufenthalt im Ausland bringt dir auch persönlich sehr viel. Du entwickelst mehr Kompetenzen, die dir auch im Privatleben helfen.
  6. “Interkulturelle Kompetenz” – Mit einem Auslandspraktikum zeigst du, dass du mit fremden Kulturen und Menschen gut umgehen kannst. Gerade in internationalen Unternehmen ist das mittlerweile ein wichtiges Kriterium.

Fazit

Vorteile

  • Du schnupperst in den Arbeitsalltag
  • Fehler sind erlaubt
  • Du entdeckst deine Stärken und Schwächen
  • Eine gute Möglichkeit zu testen, ob der Beruf der Richtige für dich ist
  • Dein Lebenslauf wird aufgebessert

Nachteile

  • Praktika sind zeitintensiv
  • Kurze Praktika sind selten möglich
  • Oft nur geringe Bezahlung
  • Nicht viel Verantwortung
Du hast Lust auf ein Praktikum?

Dann finde hier deine perfekte Praktikumsstelle.

Wähle eine Stadt und schaue ob etwas für dich dabei ist.


Hinweise:

  • Alle Berufsfelder und -bezeichnungen schließen, unabhängig von ihrer konkreten Benennung, sowohl weibliche als auch männliche Personen mit ein.
  • Wir machen außerdem darauf aufmerksam, dass unser Web-Angebot lediglich dem unverbindlichen Informationszweck dient und keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne darstellt. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung, die auf deine spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.