Was ist ein Midijob?

Seit April 2003 gibt es in Deutschland den Midijob. Dabei handelt es sich um ein regelmäßiges Arbeitsverhältnis mit einem Entgelt zwischen 450,01 € und 1.300 € pro Monat. Informiere dich hier, was einen Midijob ausmacht und welche rechtlichen Besonderheiten er mit sich bringt.

Illustration Midijob
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Warum gibt es Midijobs?

Die Bundesregierung hat 2003 im Zuge des Hartz-4-Konzeptes den Midijob ins Leben gerufen. Er soll verhindern, dass Geringverdienende im Vergleich zu den versicherungsfreien Minijobbern Nachteile erfahren. Ohne die Regelung des Übergangsbereichs würden viele Angestellte in Midijobs ein geringeres Bruttogehalt als Minijobber bekommen.

Außerdem sollen Midijobs einen Anreiz dafür schaffen, dass Minijobber und Arbeitslose einer versicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen. Dadurch hätten sie wieder einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt, so die Idee. Ein weiteres Ziel ist nicht zuletzt, mehr Arbeitnehmer besser sozial abzusichern.
Du interessiertst dich eher für einen Minijob? Erfahre hier mehr.

Reduzierte Sozialversicherungsbeiträge seit Juli 2019

Seit dem 1.7.2019 wird die Arbeitsform Midijob neu geregelt. Mit der Lohnabrechnung für Juli 2019 wurde die obere Entgeltgrenze von 850 auf 1.300 € angehoben. Bei Mitarbeitern, deren regelmäßiges monatliches Entgelt zwischen 450,01 € und 1.300 € liegt, reduzieren sich somit die Sozialversicherungsbeiträge.

Übrigens sinken auch die Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung bei allen, die in den neuen Übergangsbereich bis 1.300 € fallen. Diese Beiträge richten sich ebenfalls nach der Verdiensthöhe.

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Merkmale eines Midijobs

  • Zwischen dem Minijob und der klassischen Teilzeit- oder Vollzeitarbeit angesiedelt.
  • Mit geringeren Sozialabgaben für den Arbeitnehmer verbunden.
  • Monatliches Entgelt muss über 450 € monatlich liegen und darf 1.300 € monatlich nicht überschreiten.
  • Diese Entgelt-Spanne wurde früher Gleitzone genannt, mittlerweile nennt man sie jedoch Übergangsbereich.
  • Midijobber im Übergangsbereich gelten als Geringverdiener.
  • Die Berufstätigen in einem Midijob unterscheiden sich arbeitsrechtlich nicht von Vollzeitbeschäftigten.
  • Sie führen Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung die Pflegeversicherung ab.
  • Sie haben Anspruch auf bezahlten Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und den gesetzlichen Mindestlohn.

Midijob und Minijob im Vergleich

Monatlicher Höchstlohn:

Minijob: 450 €

Midijob: 1.300 €

Person am Tablet
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Versicherung

Minijob: Beim Minijob zahlt der Arbeitgeber 15 % zur Renten- und 13 % zur Krankenversicherung. Der Minijobber wird bei der Rentenversicherung mit 3,6 % belastatet, wenn er sich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt.

Midijob: Midijobber sind in allen Sozialversicherungszweigen versicherungspflichtig, zahlen aber reduzierte Beiträge.

Steuern

Minijob: Wenn die Grenze von 450 € nicht überschritten wird, fallen keine Abgaben an. Eine Steuerkarte ist nicht nötig.

Midijob: Midijobber leisten Abgaben in den Steuerklassen 5 und 6, während Abgaben in den Klassen 1 bis 4 abhängig von der familiären Situation sind. Zum Thema Steuern für Midijobber haben wir hier noch weitere Infos für dich:

Midijobs und Steuern

Der Midijob ist trotz verringerter Abgaben nicht steuerfrei. Ob Midijobber Lohnsteuer zahlen müssen, hängt von der jeweiligen Steuerklasse und der familiären Situation ab. Hat eine Midijobberin bereits ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis, wird der Midijob nach Steuerklasse 6 versteuert. Steuerklasse 6 ist für Arbeitnehmerinnen gedacht, die zwei oder mehrere Jobs haben. In dieser Steuerklasse sind die Abzüge besonders hoch. Das liegt auch daran, dass die steuerlichen Entlastungen Grundfreibetrag, Kinderfreibetrag, Arbeitnehmerpauschbetrag und Sonderausgabenpauschbetrag wegfallen. Jeder, der vor hat, einen Nebenjob mit der Steuerklasse 6 anzufangen, sollte daher genau ausrechnen, ob sich das finanziell am Ende auch lohnt.

Sozialversicherung für Midijobber

Arbeitnehmer im Midijob müssen ebenso Abgaben an die Sozialversicherung leisten wie Verdiener in vielen anderen Arbeitsformen. Die zu leistenden Abgaben sind allerdings geringer als bei regulären Vollzeit- oder Teilzeitjobs.

Das bringt einige Vorteile für Midijobber mit sich:

  • Die Arbeitnehmerbeiträge werden für Midijobberinnen nach einer reduzierten Beitragsbemessungsgrundlage berechnet.
  • Die Sozialversicherungsbeiträge erhöhen sich dabei abhängig vom monatlichen Einkommen.
  • Der Anteil zur Sozialversicherung richtet sich nach einer geringeren Bemessungsgrenze als dem Bruttolohn und kann zwischen 11 und 21 % betragen (zum Vergleich: Der gesetzliche Arbeitnehmeranteil für Normalverdiener liegt bei 20 bis 21 % des Bruttolohns). Die Obergrenze von 21 % ist bei 1.300 € erreicht.

Rentenversicherung im Midijob

Ein weiterer Vorteil der Umstellung seit Juli 2019 besteht in den Rentenansprüchen: Vorher führten die niedrigen Einnahmen knapp über der Mindestgrenze bei Midijobs zu deutlich niedrigeren Rentenansprüchen. Mittlerweile werden Midijobber aber so behandelt, als hätten sie den vollen Arbeitnehmeranteil in die Rentenversicherung eingezahlt.

Dadurch erhalten Midijobberinnen nun die volle Rentenanwartschaft, also das durch ihre Beiträge erworbene Recht, im Rentenalter einen bestimmten Versorgungsbetrag in Anspruch nehmen zu können. Die Ersparnisse liegen für Beschäftigte in diesem Einkommensbereich in einer spürbaren Größenordnung.

Beispiel: ein ganzjährig ausgeübter Midijob mit monatlich 451 € bringt nach dem aktuellen Rentenwert ein Rentenplus von 4,60 € / Monat. Nach den vor Juli 2019 geltenden Regelungen wären es nur 3,48 € gewesen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) ist der Meinung, dass vor allem teilzeitarbeitende Frauen von den Neuregelungen für Midijobs profitieren werden. Nach seinen Ermittlungen kommen die geplanten Entlastungen zu 80 % Frauen in Arbeitsverhältnissen mit bis zu 25 Wochenstunden zugute.

Hinweis für Arbeitgeber

Die Neuregelungen ab Juli 2019 gelten nur für Arbeitnehmer. Für Arbeitgeber ändert sich in Bezug auf die Beitragspflicht nichts. Der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung bei Midijobs ist weiterhin zu zahlen, es gelten dieselben Beitragssätze wie bei anderen Beschäftigten. Unternehmen müssen Midijobber außerdem regulär bei den Sozialversicherungsträgern anmelden.

Im Hinblick auf die Rentenversicherung kommt auf Seiten der Arbeitgeberin eine weitere Verpflichtung hinzu: Er muss nun beide Entgelte seiner Midijob-Beschäftigten – das beitragspflichtige und das tatsächlich erzielte – an den Träger melden.

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Arbeitsrechtliche Regelungen für Midijobs

Auch beim Midijob muss wie bei anderen Arbeitsverhältnissen ein Arbeitsvertrag abgeschlossen werden. Dieser gewährleistet, dass die gesetzlichen Vorschriften im Arbeitsrecht sowie betriebsspezifische Sonderregelungen eingehalten werden.

Da Midijobs auf 1.300 € Verdienst im Monat beschränkt sind, hängt die Anzahl der Stunden, die ein Angestellter in einem Midijob entrichten darf, vom Stundenlohn ab. Der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 € pro Stunde (Stand: 2018) gilt auch für Midijobs. Fällt der Stundenlohn höher aus, reduziert sich dementsprechend auch die zulässige Arbeitszeit.

Für Arbeitnehmer in einem Midijob gilt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Nach diesem darf im Durchschnitt die werktägliche Arbeitszeit nicht mehr als 8 Stunden und die wöchentliche Arbeitszeit nicht mehr als 48 Stunden betragen.
Die Anzahl an Urlaubstagen, die einem Midijobber zustehen, sollte im Arbeitsvertrag geregelt sein. In jedem Fall gibt es aber einen gesetzlichen Urlaubsmindestanspruch. Dabei ist nicht die täglich oder monatlich geleistete Stundenzahl ausschlaggebend, sondern die durchschnittliche Anzahl der Arbeitstage pro Woche. Der Mindesturlaubsanspruch berechnet sich nach folgender Formel:
Urlaubstage im Jahr = 24 / 6 x durchschnittliche Anzahl der Arbeitstage pro Woche.

Eine Midijobberin, die 20 Stunden pro Woche arbeitet, welche er auf 5 Tage verteilt, hat demnach einen gesetzlichen Anspruch auf mindestens 20 Urlaubstagen im Jahr. Verteilen sich die Stunden hingegen auf 4 Tage, sind es nur 16 Urlaubstage im Jahr.
Arbeitnehmerinnen, die einen Midijob ausüben, befinden sich in einem versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis und haben eine gesetzliche Krankenversicherung. Im Krankheitsfall haben Midijobber 6 Wochen lang Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Wer darüber hinaus arbeitsunfähig ist, bekommt weiterhin Krankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung.
Hier gelten die gleichen Regelungen wie bei anderen Arbeitsformen:
  • Beide Seiten, Arbeitgeberin und Arbeitnehmer, müssen sich an die gesetzlichen bzw. vertraglichen Kündigungsfristen halten.
  • Wenn die ordentliche Kündigung vom Arbeitgeber ausgeht, muss dieser dem Arbeitnehmer Gründe angeben.
  • Eine außerordentliche fristlose Kündigung kann nur aus wichtigen Gründen erfolgen.
  • Die Kündigung muss schriftlich erfolgen.
Für Studierende, die in einem Midijob arbeiten, gibt es keine Grenze hinsichtlich des Einkommens, solange sie Kindergeld beziehen. Voraussetzung dafür ist, dass die Arbeitszeit im Midijob weniger als 20 Stunden pro Woche beträgt, da es sonst Abzüge beim Kindergeld gibt. Außerdem ist es von der Studienordnung her nicht erlaubt, die 20 Stunden pro Woche zu überschreiten.

Beim BAföG existiert eine Obergrenze, wie viel Studierende jährlich verdienen dürfen. (Stand 2018: 5.400 €). Dies entspricht einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 450 €. Da das Entgelt aus einem Midijob höher ausfällt, überschreiten Studierende mit einem Midijob in der Regel die Obergrenze für das Jahreseinkommen. Es muss deshalb mit Abzügen gerechnet werden.

Fazit

Der Midijob eignet sich grundsätzlich für alle, die in Teilzeit arbeiten möchten und von den geringeren Sozialabgaben profitieren wollen. Oft sind das Menschen, die noch nicht voll im Berufsleben stehen, z.B. Studenten mit einem dauerhaften Nebenjob. Für Freiberufler kann ein Midijob z.B. ideal sein, um von den günstigeren Krankenversicherungs-Beiträgen zu profitieren. Wer in den Steuerklassen 1 bis 4 ist, muss beim Midijob keine Lohnsteuer zahlen, trotzdem ist man kranken-, arbeitslosen-, pflege- und rentenversichert.



Hinweise:

  • Alle Berufsfelder und -bezeichnungen schließen, unabhängig von ihrer konkreten Benennung, sowohl weibliche als auch männliche Personen mit ein.
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