Was ist Zeitarbeit? – Zwischen Erfahrungen und Übernahme

Zeitarbeit – eine Arbeitsform, die längst nicht mehr nur eine Arbeitnehmerüberlassung ist. Erfahre in unserem Ratgeber, was Zeitarbeit genau bedeutet, für wen die Art von Tätigkeit interessant ist und welche Chancen dir dadurch im Arbeitsmarkt geboten werden.

Illustration Zeitarbeit - Person steht vor vielen Uhren

Was ist Zeitarbeit überhaupt?

Stell’ dir das so vor:

Manfred ist bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt, die sich auf die Logistikbranche spezialisiert. Ein großes Logistikunternehmen sucht in der Vorweihnachtszeit dringend Unterstützung.
Die Zeitarbeitsfirma verleiht Manfred an dieses Unternehmen – dort macht er für eine bestimmte Zeit seinen Job. Die Bezahlung erfolgt über die Zeitarbeitsfirma, da sein eigentlicher Arbeitgeber ist. Seine Tätigkeit führt er jedoch in dem sogenannten Entleiher-Unternehmen – der Logistikfirma – aus.

Das bedeutet also:

Zeitarbeit ist eine Arbeitsform, die aus drei Parteien besteht: dem Arbeitnehmer (Zeitarbeitnehmer), dem Arbeitgeber (Zeitarbeitsfirma) und dem Entleiher, also dem Unternehmen, in dem du als Zeitarbeitnehmer arbeitest.
In diesem Dreiecksverhältnis bewirbt sich die Arbeitnehmerin bei einer Zeitarbeitsfirma. Diese Zeitarbeitsfirma, auch Personaldienstleister genannt, schaut nach einem passenden Job für die Zeitarbeitnehmerin. Gibt es eine passende Beschäftigung in einem Unternehmen, so wird ein qualifizierter Zeitarbeitnehmer dorthin verliehen. Eine genauere Beschreibung des Prozesses findest hier.

Die drei Parteien

Diese Person hat einen festen Arbeitsvertrag mit dem Personaldienstleister (Zeitarbeitsfirma). In der Regel gelten für Arbeit in Zeitarbeit die gleichen Rechte und Pflichten wie für jeden anderen Arbeitnehmer. Der Unterschied liegt nur darin, dass du als Zeitarbeitnehmerin nicht direkt bei deiner Arbeitgeberin angestellt bist, sondern in verschiedene Unternehmen und Firmen geschickt wirst, um dort deine Arbeit auszuführen.
Das ist der Arbeitgeber (Personaldienstleister), bei dem der Zeitarbeitnehmer gemeldet ist. Diese sucht nach passenden Tätigkeiten für die zahlreichen Zeitarbeitnehmer. Als Arbeitgeberin ist die Zeitarbeitsfirma auch für die Lohnauszahlung und weitere Personalthemen wie Qualifizierungen und Weiterbildungen verantwortlich.
Das Unternehmen, in dem du als Zeitarbeitnehmerin arbeitest. Das Unternehmen meldet sich also als Kunde bei der Zeitarbeitsfirma und bittet um Unterstützung. Wenn du als Zeitarbeitnehmer in diesem Unternehmen arbeitest, hast du natürlich den Angaben deines dortigen Vorgesetzten Folge zu leisten. Die Entleiher-Firma zahlt für deinen Einsatz eine Vergütung an den Personaldienstleister. Davon erhältst du dann deine Lohnauszahlung.

Wusstest du schon dass...

  • ... mehr als zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer vorher keinen Job hatten?
  • ... fast 80 % der ZeitarbeitnehmerInnen vollzeitbeschäftigt sind?
  • ... hinter Zeitarbeit ausschließlich sozialversicherungspflichtige Berufe stecken?

Quelle: BAP

Zeitarbeit: Lagerarbeiter vor großem Paket-Regal
© standret/AdobeStock

Für wen ist Zeitarbeit interessant?

Zeitarbeit bietet unterschiedlichen Menschen eine neue Perspektive im Berufsleben. Egal ob du Berufsanfänger bist, leider gerade deinen Job verloren hast oder dir bestimmte Qualifizierungen für eine Tätigkeit fehlen: Als Zeitarbeiter kannst du Berufserfahrung sammeln und verschiedene Branchen kennenlernen.
Auch für Personen mit Migrationshintergrund bietet diese Arbeitsform große Chancen. Wenn man gerade mal ein paar Monate in Deutschland lebt, ist es oft schwierig, direkt einen Job zu finden, der den Qualifizierungen und Abschlüssen entspricht. Denn leider ist es oft der Fall, dass im Ausland erworbene Abschlüsse nicht sofort anerkannt werden können. Die Zeitarbeit bietet einem die Chance, sich im Arbeitsmarkt zu etablieren und vorhandene Fähigkeiten und Kenntnisse unter Beweis zu stellen.

Als Zeitarbeitnehmer kannst du:

  • Berufserfahrung sammeln,
  • deine Fähigkeiten und Qualifikationen unter Beweis stellen,
  • dich umorientieren und in verschiedene Branchen reinschnuppern,
  • nach längerer Pause einfacher in die Berufswelt einsteigen,
  • dein Netzwerk erweitern.

Wie funktioniert Zeitarbeit?

Als Arbeitssuchende meldest du dich bei einem der zahlreichen Personaldienstleister, um dich zu bewerben. Recherchiere dabei vorab, welche Personaldienstleister sich auf welche Branchen spezialisieren. Für die Bewerbung reichen die klassischen Bewerbungsunterlagen, wenn nicht sogar nur der Lebenslauf aus. Der Arbeitgeber hat eine Übersicht über deine Kenntnisse und Fähigkeiten und kann nach passenden Unternehmen schauen.

Gespräch mit einem jüngeren Mann im Büro
© bernardbodo/AdobeStock

Wenn du für eine oder mehrere Entleiher-Firmen in Frage kommst, wirst du vom Personaldienstleister zum Gespräch eingeladen. Die Personaler haben schon einmal einen Eindruck von dir. Wenn du überzeugst, wirst du häufig zu einem Vorstellungsgespräch in der Zeitarbeitsfirma eingeladen. Bist du der passende Bewerber, wird ein Vertrag mit dem Personaldienstleister, also deiner Arbeitgeberin geschlossen und du startest deine Tätigkeit in der Entleiher-Firma.
Wenn der Entleiher sich für einen anderen Kandidaten entscheidet, schaut der Personaldienstleister nach einem neuen Jobangebot für dich.

Für welche Unternehmen ist Zeitarbeit eine Option?

Auch wenn die Mehrheit der Zeitarbeits-Unternehmen in der Logistik vertreten sind, so ist Zeitarbeit schon lange keine Arbeitsform mehr für nur eine spezifische Branche. Mittlerweile ist Zeitarbeit branchenübergreifend.

Gründe, um sich als Unternehmen bei Personaldienstleistern zu melden, können folgende sein:

  • Personalmangel aufgrund von Urlaubsphasen, Elternzeit oder einer längeren Krankheitswelle,
  • neue Projekte, für die ein bestimmtes Know-How benötigt wird,
  • große, saisonale Produktionen oder Projektarbeit, für die mehr Kapazität als sonst nötig ist.

§ Rechtliches

Wenn du als Arbeitnehmerin bei einer Zeitarbeitsfirma eingestellt bist, hast du dieselben Pflichten wie alle anderen Arbeitnehmer auch. Damit sind vor allem Urlaubsansprüche, Lohnfortzahlungen bei Krankheit etc. gemeint. Dennoch gibt es ein paar Rechte und Pflichten, die zusätzlich gelten. Diese haben wir hier für dich zusammengefasst:

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) ist für Zeitarbeit unumgänglich. Seit dem 01. April 2017 gilt, dass du als Zeitarbeitnehmerin nicht länger als 18 Monate im selben Verleiher-Betrieb tätig sein dürfen. (§ 1 Absatz 1b Sätze 1 bis 3 AÜG.)

Das heißt also, dass nach 1 ½ Jahren die Zeitarbeitsfirma nach einer Anschlussbeschäftigung für dich schaut oder du vom Verleiher übernommen werden könntest.

Auch in der Zeitarbeit gibt es einen bestimmten Mindestlohn, der eingehalten werden muss. Dieser liegt derzeit bei 9,96 € im Westen und bei 9,66 € im Osten. Diese Regelung ist ebenfalls im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geregelt. Ab 2021 soll die Bezahlung in ganz Deutschland gleich sein.

Fazit: Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Sprungbrett für Arbeitssuchende
  • Chance auf Übernahme ist vorhanden
  • Berufseinsteiger können verschiedene Erfahrungen sammeln
  • Kontakte zu bekannten Firmen knüpfen und Netzwerk erweitern
  • Nach neun Monaten Recht auf gleiche Bezahlung wie Stammbelegschaft

Nachteile

  • Anfangs niedrigeres Gehalt als Arbeitnehmer, die vom Unternehmen eingestellt wurden
  • Wenig Plansicherheit: Je nach neuer Firma wird der Arbeitsweg länger
  • Unruhe durch sich wiederholendem Jobwechsel (Je nachdem, wie lange du für eine Tätigkeit eingesetzt wirst)
  • Finanzielle Unsicherheit: Nicht immer ist sicher, ob du eine Anschlussbeschäftigung bekommst
Du bist auf der Suche nach einer Stelle?

Dann finde jetzt die passende Stelle über eine Zeitarbeitsfirma.



Hinweise:

  • Alle Berufsfelder und -bezeichnungen schließen, unabhängig von ihrer konkreten Benennung, sowohl weibliche als auch männliche Personen mit ein.
  • Wir machen außerdem darauf aufmerksam, dass unser Web-Angebot lediglich dem unverbindlichen Informationszweck dient und keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne darstellt. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung, die auf deine spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.