Berufsunfähigkeit? Das sind deine Rechte und Pflichten

Jedem kann es passieren: Ein Unfall, eine Krankheit oder psychische Beschwerden können unser Leben urplötzlich auf den Kopf stellen. Wenn es zusätzlich nicht mehr möglich ist, den Beruf auszuüben, stehen Arbeitnehmer vor unerwarteten Herausforderungen. Wir erklären, was im Falle von Berufsunfähigkeit zu tun ist und welche Chancen auf staatliche Unterstützung bestehen.

Du suchst eigentlich Infos zur Krankmeldung? Dann schau dich hier zum Thema Arbeitsunfähigkeit um.

Person im Rollstuhl
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Erwerbsminderungsrente: Was sagt das Gesetz?

Seit Dezember 2001 sieht das Gesetz die mögliche Zahlung einer Erwerbsminderungsrente für alle vor, die berufsunfähig werden. Allerdings ist der Weg zum Höchstsatz mit einigen Stolpersteinen gepflastert. Die Regelung zur Erwerbsminderungsrente teilt Arbeitnehmer in 3 Kategorien auf. Dabei ist der gesundheitliche Zustand ausschlaggebend, den ein Arzt zuvor in einer gründlichen Untersuchung feststellt.

  • Keine Rente erhalten Personen, die zwar nicht mehr im alten Beruf arbeiten können, dafür aber in anderen Jobs für 6 oder mehr Stunden pro Tag. Wenn du also einen körperlich anstrengenden Beruf erlernt und plötzlich einen Bandscheibenvorfall erlitten hast, kannst du vermutlich trotzdem einen Bürojob in Teil- oder Vollzeit ausüben oder an der Supermarktkasse arbeiten. In diesem Fall hast du keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.

  • Eine gekürzte Rente von 50 % erhalten ArbeitnehmerInnen, die 3 bis 6 Stunden täglich in einem beliebigen Job arbeiten können.

  • Die vollständige Leistung bekommen ArbeitnehmerInnen, die körperlich so eingeschränkt sind, dass sie höchstens 3 Stunden täglich einen Job erledigen können. Vorsicht: Mehr als 6.300 € jährlich solltest du nicht verdienen, da ansonsten deine Rente gekürzt wird.

Mann vor PC
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Früher waren Arbeitnehmerinnen gesetzlich gegen die Berufsunfähigkeit abgesichert. Für alle, die nach Januar 1961 geboren wurden, tritt dieses Gesetz nicht mehr in Kraft. Umgekehrt gilt für jeden, der vor 1961 geboren wurde, ein uneingeschränktes Recht auf die Rente. Zudem haben nur diejenigen Anspruch auf Auszahlung der Berufsunfähigkeitsrente, die mindestens seit 5 Jahren Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. Nur in wenigen Fällen ist eine vorzeitige Auszahlung möglich, etwa wenn du während eines Zivildienstes erkrankst oder eine Behinderung hast. Berufsanfänger sollten dies immer im Hinterkopf behalten.

Antrag und Dauer der Zahlungen

Der Antrag auf die Erwerbsminderungsrente ist an Termine und Fristen gebunden und muss beim zuständigen Rentenversicherungsträger eingereicht werden. Und das am besten schnellstmöglich! Wenn du den Antrag nämlich innerhalb von 3 Monaten nach Eintritt deiner Krankheit stellst, erhältst du rückwirkend Zahlungen ab diesem Zeitpunkt. Wenn du die Frist von 3 Monaten verschläfst, zahlt die Versicherung erst ab dem Monat der Antragstellung.
Eine zeitliche Begrenzung für die Zahlungsdauer der Rente gibt es nicht. Solange du krank bist, behältst du das Recht darauf. Allerdings gilt ein Antrag zunächst nur für die kommenden 3 Jahre; alles darüber hinaus musst du neu beantragen.

Private Vorsorge für den Fall einer Berufsunfähigkeit

Natürlich liegt es letzten Endes in deiner Hand, ob du trotz eingeschränkter Gesundheit einen Job ausüben möchtest. Häufig entstehen sogar Rechtsstreits, weil Arbeitnehmer und Ärzte hinsichtlich gesundheitlicher Konditionen völlig anderer Meinung sind. So kann es vorkommen, dass du zum Arbeiten verdonnert wirst, wenn du selbst dich nicht wirklich in der Lage dazu fühlst. Leider kannst du in diesem Fall nicht hundertprozentig auf den Staat als Helfer in der Not hoffen.

Um im Notfall also abgesichert zu sein, ist eine Vorsorge empfehlenswert. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung kannst du über eine Vielzahl von Anbietern abschließen. Dabei lohnt es sich, Tarife zu vergleichen. Bestenfalls legst du damit so früh wie möglich los.

Wie viel kostet eine solche Versicherung?

Wie hoch diese Beiträge ausfallen, hängt vom Einkommen und Alter ab. Auch die Krankheitsgeschichte eines Kunden spielt eine Rolle – Menschen mit chronischen Beschwerden laufen zum Beispiel eher Gefahr, im Laufe Ihres Berufslebens berufsunfähig zu werden. Dementsprechend fallen Ihre Beiträge höher aus. Von wenigen hundert Euro bis zu 2000 € jährlich ist alles möglich.

Frau kalkuliert am Schreibtisch
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Erst Reha, dann Rente

Wenn du auf eine Erwerbsminderungsrente angewiesen bist, solltest du dich erst einmal auf eine umfangreiche Prüfung deiner Situation gefasst machen. Bevor du als berufsunfähig eingestuft wirst, überprüft die zuständige Behörde, ob eine sogenannte berufliche Rehabilitation in Frage kommt. Sie umfasst medizinische, psychologische und soziale Leistungen, um eine erkrankte Arbeitnehmerin schnellstmöglich wieder fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

Die Kosten dafür trägt dein zuständiger Rentenversicherungsträger. Er unterstützt bei der Suche und bei der Aufnahme einer neuen Arbeit, meist mit Weiterbildungen und Seminaren in Einrichtungen in der Nähe deines Wohnortes. Je nach gesundheitlichem Zustand fallen darunter jedoch auch Leistungen wie die Wohnungshilfe oder eine Arbeitsassistenz. Während der Rehabilitation zahlt die Rentenversicherung ein monatliches Übergangsgeld. Du bleibst renten-, kranken- und pflegeversichert.

Auch für die berufliche Reha musst du einen Antrag stellen, der den Behörden dabei hilft, deine Voraussetzungen für die Leistungen sicherzustellen. Die Formulare kannst du entweder direkt bei der Rentenversicherung, Auskunfts- und Beratungsstellen oder deiner Krankenkasse abholen.

Erwerbsunfähig vs. berufsunfähig - Was ist der Unterschied?

Vermutlich sind dir bereits beide Begriffe begegnet: berufsunfähig und erwerbsunfähig. Wie definieren wir die Begriffe und wo liegt der Unterschied? Wir haben die Definitionen für dich recherchiert, damit du den Überblick behältst.

Erwerbsunfähigkeit …


.. beschreibt einen Zustand, in dem ein Arbeitnehmer wegen seiner Krankheit gar nicht mehr in der Lage ist, einen Beruf oder einen Job auszuführen. Weder seinen vorherigen, noch überhaupt irgendeinen.

Berufsunfähigkeit …


… tritt dann ein, wenn ein Arbeitnehmer seinen alten Job aufgrund seiner gesundheitlichen Konditionen nicht mehr ausüben kannst. Andere Jobs hingegen schon, meist für einige Stunden pro Woche.



Hinweise:

  • Alle Berufsfelder und -bezeichnungen schließen, unabhängig von ihrer konkreten Benennung, sowohl weibliche als auch männliche Personen mit ein.
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