Kündigung – Was nun?

Ausnahmezustände wie die derzeitige Corona-Krise beeinflussen auch immer die Wirtschaft und wirken sich somit vielleicht auch auf deinen Betrieb oder dein Unternehmen aus. Nicht selten kommt es zu Kündigungen. Wir erklären dir, was du tun kannst, wenn du dich in solch einer Lage befindest.

Verzweifelter Mann sitzt am Arbeitsplatz
© sitthiphong/AdobeStock
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Aus Zwang entlassen – Kündigung im Ausnahmezustand

Eine Kündigung muss sozial gerechtfertigt sein, das bedeutet, es muss dafür Gründe geben. eine Krise, wie das aktuelle Coronavirus muss nicht automatisch ein solcher Grund sein und schafft hier auch kein Sonderkündigungsrecht. Eine rechtliche Überprüfung der Kündigung ist daher ein Muss.

Wichtig: Auch im jetzigen Ausnahmezustand darfst du nur innerhalb von 3 Wochen beim Arbeitsgericht gegen eine Kündigung klagen.

Notwendig:

Melde dich sofort oder innerhalb von 3 Tagen bei der Arbeitsagentur als arbeitslos oder arbeitssuchend. Das musst du aber nicht persönlich machen. Du kannst nun auch die notwendigen Anträge und Erklärungen online einreichen.

Hier findest du hilfreiche Informationen, wenn du keine Option auf Arbeitslosengeld hast.

Insbesondere die Kündigungsfristen, der Kündigungsschutz, die Sozialauswahl und die Besonderheiten der Kündigungsschutzklage müssen auch während der Pandemie als gewöhnliche Spielregeln des Arbeitsrechts beachtet werden.

Kündigungsgründe mit Bezug zum Coronavirus:

  1. Betriebsbedingte Kündigung: Aufgrund der Corona-Pandemie bricht das Geschäft ein. Der Betrieb muss eingestellt werden oder es muss aufgrund zurückgehendem Auftragsvolumen oder behördlicher Anordnung geschlossen werden. Hier geht der Arbeitgeber nach der sogenannten Sozialauswahl vor. Das bedeutet, dass weniger schutzwürdige Mitarbeiter zuerst gekündigt werden müssen.
  2. Personenbedingte Kündigung: Eine solche Kündigung kann dir zur jetzigen Zeit nicht passieren. Solltest du dich mit dem Virus infiziert haben und daher mehrere Wochen arbeitsunfähig sein, erhältst du trotzdem nach gesetzlichen Vorschriften für bis zu 6 Wochen eine Entgeltfortzahlung, danach hast du Anspruch auf Krankengeld. Wenn es eine behördlich angeordnete Quarantäne gibt, hat dein Arbeitgeber übrigens einen Erstattungsanspruch gegen die zuständige Behörde (im Moment wäre es das Gesundheitsamt).
  3. Verhaltensbedingte Kündigung: Wenn du aus Angst vor einer Infektion die Arbeit verweigerst oder dich trotz einer Infizierung zur Arbeit schleppst und damit deine Kollegen gefährdest, kannst du verhaltensbedingt gekündigt werden. Im Regelfall bekommst du zunächst eine Abmahnung.

Das Kündigungsschutzgesetz

Wenn dein Arbeitsverhältnis bereits seit mehr als 6 Monaten besteht, ist das eine Voraussetzung für den Kündigungsschutz, unter dem das Arbeitsverhältnis dann steht. Du hast somit auch die Möglichkeit auf eine erfolgreiche Kündigungsschutzklage. Wirst du also innerhalb der dieser 6 Monate, also der Probezeit gekündigt, gibt es keine Erfolgsaussichten für eine solche Klage. Dein Arbeitgeber muss aber trotzdem Kündigungsfristen und die üblichen Regelungen der Kündigung (Zugang zum Arbeitnehmer, Schriftform, etc.) einhalten.

Kündigungsschutzklage

Eine Kündigungsschutzklage gilt ab 3 Wochen nach Zugang der Kündigung. Innerhalb dieses Zeitraums muss die Klage beim Arbeitsgericht erhoben werden.

Was bezweckt die Klage? Zunächst soll das Arbeitsverhältnis aufrecht erhalten werden, das heißt du wirst als Arbeitnehmer weiterhin beschäftigt. Letztendlich kommt es oft zu einem gerichtlichen Vergleich: Die Kündigung wird akzeptiert und du erhältst als Entschädigung eine Abfindungszahlung. Diese ist in der Regel ein halbes Bruttomonatsgehalt für jedes Jahr deiner Beschäftigung (Quelle: www.rosepartner.de).

Wie kündige ich?

Du hast dein Ziel im Unternehmen erreicht, hattest eine gute Zeit und möchtest nun eine neue Herausforderung angehen. Die Motivation sinkt, der Lohn ist zu niedrig oder du möchtest dich einfach neu orientieren. Wie gehst du bei einer Kündigung vor?

  • Bevor du direkt eine schriftliche Kündigung einreichst, solltest du das persönliche Gespräch mit deinem Vorgesetzten suchen.
  • Achte auf die Kündigungsfrist in deinem Arbeitsvertrag. Gibt es dort keine genaue Angabe, gilt die gesetzliche Frist von 4 Wochen zur Mitte oder zum Ende eines Monats. Sollte dich dein neuer Arbeitgeber allerdings sofort einstellen wollen, sprich mit deiner Vorgesetzten und es besteht die Möglichkeit auf eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen.
  • Bereite dich gut auf das Kündigungsgespräch vor! Inhaltlich reicht ein Grund. Hinterlasse deinem Nachfolger keinen Scherbenhaufen. Biete an, angefangene Projekte zu Ende zu führen oder der Nachfolgerin eine vernünftige Einarbeit zu geben. Zeige dich dankbar und bleibe unbedingt höflich – Das erhöht deine Chancen auf ein gutes Arbeitszeugnis.
  • Mündlich zu kündigen reicht nicht aus, rechtswirksam wird diese nämlich erst, wenn sie auch in Schriftform eingereicht wird. Eine Mail reicht hier nicht aus.

Übrigens:

Du musst dich für eine Kündigung nicht rechtfertigen!

Wenn du gekündigt hast, musst du in der Regel noch ein paar Wochen im alten Unternehmen arbeiten. Ein souveräner Abgang hinterlässt den besten Eindruck.

Lese hier nach, was du tun kannst, wenn du während der Corona-Pandemie arbeitslos bist.



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