Reisen in der Elternzeit

In der Elternzeit haben frischgebackene Eltern viel Zeit für ihre Neugeborenen und können sich voll und ganz aufs Familienleben konzentrieren. Immer mehr Eltern zieht es mit dem Nachwuchs aber raus aus den eigenen vier Wänden. Hier erfährst du, was für und gegen das Reisen in Elternzeit spricht und ob es rechtliche Regelungen dazu gibt. Außerdem stellen wir die vier beliebtesten Reiseformen in Elternzeit vor und haben Geschichten von Familien gesammelt, die es während der Elternzeit in die Ferne gezogen hat.

Eine junge Familie mit kleinem Kind sitzt auf einer Bank an einem See.
© everst/AdobeStock

In aller Kürze:

  • Rechtlich gesehen ist der Auslandsaufenthalt in Elternzeit unproblematisch.
  • Expert:innen sagen: nach der Geburt lieber erst einmal einige Wochen aufs Reisen verzichten.
  • Auf die Auszahlung des Elterngeldes hat Reisen keinen Einfluss.
  • Auf der Reise werden gemeinsame Erinnerungen geschaffen, für das Baby kann sie jedoch auch Stress bedeuten.

Reisen mit Baby - ist das überhaupt eine gute Idee?

Die ersten Jahre mit dem eigenen Kind gehören zur intensivsten Familienzeit. Das neue Familienmitglied dabei zu begleiten, Neues zu lernen und die Welt zu entdecken ist eine ganz besondere Erfahrung. Doch das muss nicht immer nur in den eigenen vier Wänden passieren. Auch wenn Kinder erst etwa ab dem fünften Lebensjahr stabile Erinnerungen aufbauen, nehmen sie beim Reisen auch vorher schon viele neue Eindrücke wahr und lernen dabei stetig Neues. Und auch Mama und Papa werden sich später immer an diese besondere Reise zurückerinnern.

Für uns war es besonders wichtig, diesen Reisetraum noch zu verwirklichen, bevor das ältere Kind eingeschult wird und wir dann an die Schulferien gebunden sind.

Lies hier den ganzen Erfahrungsbericht von Silja & Victor

Ob eine Reise mit einem kleinen Kind für deine Familie eine gute Idee ist, musst du am Ende selbst abwägen. Frage dich, ob du mit dem zusätzlichen Stress umgehen kannst und die Reise wohl auch wirklich genießen kannst. Das gilt auch für deinen kleinen Sohn oder deine kleine Tochter. Wenn die einstündige Autofahrt zu Oma und Opa bereits ein Kraftakt ist, ist ein Roadtrip im Camper vielleicht nicht die richtige Idee.


Ab welchem Alter sollten Babys reisen?

Unter Expert:innen herrscht Uneinigkeit zum Thema Reisen mit Baby. Prinzipiell wird aber davon abgeraten, nur kurze Zeit nach der Geburt zu verreisen. Denn das Kind braucht erst einmal einige Zeit, um sich an die neue Umgebung anzupassen. Eine sofortige Reise kann also unnötig viel Stress bedeuten. Grundsätzlich sollte beim Reisen die Sicherheit und das Wohl aller Familienmitglieder im Vordergrund stehen.

Quelle: Ärztezeitung
Ein kleines Baby schläuft auf dem Schoss seiner Mutter im Flugzeug.
© Ekaterina Pokrovsky/AdobeStock

Worauf muss ich vor der Abreise achten?

  • Auslandskrankenversicherung: Diese empfiehlt sich für Für Auslandsreisen mit einem Kind unbedingt. So sind du und dein Kind nicht nur gut geschützt, sondern du hast eine Sorge weniger und kannst dich voll und ganz auf die Reise fokussieren. Die Versicherung sollte neben den Kosten für medizinischen Behandlungen vor Ort und Medikamenten auch die Möglichkeit zum Rücktransport beinhalten. Sollten du oder dein Kind beispielsweise verletzt sein, werdet ihr zurück nach Deutschland gebracht, um in der Nähe eurer Lieben die Behandlung zu bekommen, die ihr braucht.

  • Reisevollmacht: Sollte nur ein Elternteil mit dem Kind reisen, wird sie dringend gebraucht. Damit weist du nach, dass der andere Elternteil mit der Reise einverstanden ist. In einigen Ländern muss die Vollmacht sogar amtlich beglaubigt werden. Informiere dich am besten vorab bei der entsprechenden Auslandsvertretung (Botschaft oder Konsulat) über die Einreisebestimmungen.

  • Kinderreisepass: Für Reisen ins Ausland brauchen auch Kleinkinder einen Reisepass. Dieser muss rechtzeitig bei der entsprechenden Behörde beantragt werden und ist für ein Jahr gültig. Je nach Reiseziel ist unter Umständen ein zusätzliches Visum zu beantragen.

  • Packen: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.

  • Mindestalter für Flugreisen: Bei den meisten Fluggesellschaften beträgt dieses 7 bis 14 Tage. Dennoch sollte vorab eine kinderärztliche Untersuchung gemacht werden, um sicherzustellen, dass das Kind zum Beispiel keine Ohrenentzündung oder Atemwegserkrankung hat.

  • Örtliche, kulturelle Regeln: Je nach Reiseziel kann es sinnvoll sein, sich beispielsweise über Regeln zum Stillen und Wickeln in der Öffentlichkeit zu informieren. In den meisten Ländern ist dies zwar unproblematisch, in muslimischen Ländern oder Japan zum Beispiel ist das öffentliche Stillen aber nicht gerne gesehen. Empfehlenswert ist es, ein Stilltuch mitzuführen. So bist du immer gut vorbereitet.

Die rechtliche Lage

Es gibt keine rechtlichen Regelungen, die gegen einen Aufenthalt im Ausland während der Elternzeit sprechen. Auf die Auszahlung des Elterngeldes hat dies keinen Einfluss. Entscheidend ist nur: Der Wohnsitz und die Arbeitsstelle müssen weiterhin in Deutschland sein oder für den Arbeitsvertrag muss deutsches Recht gelten. So sieht es das Bundeselterngeldgesetz vor. Ist dies garantiert, steht der Reise nichts im Wege.

Verreisen in der Elternzeit: Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
Ihr erlebt als Familie eine intensive, gemeinsame Zeit.
Lange Reisen im Auto, häufige Ortswechsel oder Unterbrechungen des Schlafrhythmuses können für dein Baby Stress bedeuten.
Die Alltagsfalle wird vermieden und ihr habt täglich viele neue Eindrücke.
Beim Reisen mit Kind besteht ein deutlich höherer Planungsaufwand: Schlafzeiten müssen berücksichtigt werden und die Packliste wird sehr viel länger ausfallen.
In gemeinsamen Momenten am Strand oder Ferienhaus werden gemeinsame Erinnerungen kreiert, an die ihr euch lange zurückerinnern werdet.

Beliebte Reiseformen in der Elternzeit

Wohnmobilreisen sind sehr beliebt bei Familien mit Kindern. Sie bieten Flexibilität, Abwechslung und beim Packen muss man auf keine Gepäckbestimmungen achten.

Wissenswertes zur Wohnmobilreise mit Kind:
  • Autofahrten sollten je nach Alter des Kindes nicht zu lange ausfallen und viele Pausen beinhalten. Denn jedes Kind braucht regelmäßig Bewegung und frische Luft.
  • Besorge dir einen guten Routenplaner und Informationen zu Campingplätzen auf der Strecke.
  • Die richtige Jahreszeit finden: Reisen im Hochsommer bei 40 Grad sind nicht mit Kind zu empfehlen. Im Camper kann es auch nachts sehr warm werden und das Ins-Bett-bringen zu einem wahren Kraftakt machen. Frühling und Herbst sind bessere Reisezeiten.
  • Informier dich vorab, welche Kindersitze im Auto angebracht werden können.
Ein Aufenthalt im Kinderhotel heißt: Viel Zeit für Entspannung für Mama und Papa und tolles Programm für die ganz Kleinen. Die Hotels bieten altersgerechte Kinderbetreuung, verschiedene hilfreiche Services und liegen meist in schönster Natur. Hier ist Erholung garantiert.

Was du vor dem Urlaub im Kinderhotel wissen solltest:
  • Informiere dich vorab, ob das Hotel z.B. ein Babyphon, eine Babywippe oder einen Kinderwagen zur Verfügung stellt. Diese Dinge kannst du dann beim Koffer packen einfach weglassen.
  • Viele Hotels bieten Wellnessbehandlungen auch für die kleinen Gäste, zum Beispiel eine Babymassage. Sie soll für Entspannung sorgen, das Empfindungsvermögen der Babys stärken und gegen Unruhe und Blähungen helfen. Angewandt werden sie schon ab der sechsten Lebenswoche.
Urlaub im Ferienhaus heißt: viel Sicherheit, wenig Reisestress und dennoch ein schöner Tapetenwechsel. Insbesondere mit Kind eignet sich diese Urlaubsform sehr, denn im Ferienhaus kann man es sich gemütlich machen und muss nicht täglich logistische Hürden bewältigen oder unendlich viel Gepäck durch die Gegend schleppen.

Was du beim Urlaub im Ferienhaus beachten solltest:
  • Suche gezielt nach familientauglichen Häusern oder Wohnungen, die bereits kindgerecht gesichert sind und beispielsweise keine offenen Steckdosen haben.
  • Wenn das Haus einen Pool hat, achte darauf, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen und den Pool richtig abzusichern.
  • Beim Urlaub im Ferienhaus lässt sich die gewohnte Tagesstruktur von zu Hause leichter aufrechterhalten. Das ist besonders gut für Kinder, die viel Struktur brauchen, um beispielsweise am Mittag schlafen zu können.
Kreuzfahrten bieten viele Vorteile und viel Abwechslung. An Bord kann man es sich gut gehen lassen und die Seele baumeln lassen. Ausflüge an Land bieten dann aber die Möglichkeit, Neues zu sehen und etwas zu erleben.

Was du bei einer Kreuzfahrt mit Kind berücksichtigen solltest:
  • Informiere dich vorab beim Reiseveranstaltenden über das zugelassene Mindestalter. Kinder, die jünger als 6 Monate alt sind, dürfen häufig aus Sicherheitsgründen nicht an Bord.
  • Kreuzfahrtschiffe haben immer eine kleines Bordhospital und bieten medizinische Hilfe bei Krankheit oder Verletzung, auch für die ganz kleinen Gäste.
  • Große Kreuzfahrt-Gesellschaften bieten Zimmer, die ganz auf die Bedürfnisse von Familien zugeschnitten sind und zum Beispiel über ein Babybett verfügen.
  • Kinder unter 2 Jahren reisen meist kostenfrei mit.
  • Lieber weniger Gepäck mitnehmen und dafür den Wäscheservice an Bord nutzen.
Wir haben es sehr genossen, so viel Zeit zu haben - sowohl
zum Reisen als auch als Familie- und dabei so viel vom Land zu sehen.

Erfahrungsberichte

Das haben unsere Kolleg:innen von meinestadt.de erlebt

meinestadt.de Illustration Erfahrungsberichte

Einige unserer Kolleg:innen bei meinestadt.de haben in der Elternzeit tolle Reisen unternommen. Besonders beliebt: Die Camper-Reise. Doch nicht bei allen ist der Reiseplan aufgegangen. Hier erzählen sie euch, wie es ihnen und ihren Kindern ergangen ist.

"Wir haben in der Elternzeit eine Wohnmobiltour durch Westaustralien mit den Kindern (4 Jahre und 7 Monate) gemacht. Die langen Flüge haben problemlos geklappt, und das Leben im Wohnmobil war besonders für den Älteren eine spannende Erfahrung! Lediglich die große Hitze (oft über 40 Grad) hat den Kindern manchmal zu schaffen gemacht, aber auch die ließ sich beim Baden am Strand dann aushalten.
Für uns war es besonders wichtig, diesen Reisetraum noch zu verwirklichen, bevor das ältere Kind eingeschult wird und wir dann an die Schulferien gebunden sind."

Silja & Victor mit Erik und Emmy

"Die Elternzeit für eine gemeinsame Reise zu nutzen hörte sich im ersten Moment so spannend für uns an. Meine Frau ist in der Schule tätig und wir hatten uns darauf gefreut, gemeinsam mit unserer Tochter Katharina außerhalb der Ferien verreisen zu können. Doch natürlich kam alles anders. Der Virus Covid-19 hat alle unsere Pläne unmöglich gemacht und unser ganzes Leben verändert. Wir haben als Familie das Beste daraus gemacht! Durch die Einführung von Mobile Office im Unternehmen konnten wir rückblickend die Elternzeit nach dem Feierabend früher gemeinsam nutzen."

Aaron & Ines mit Tochter Katharina

"Als unsere Tochter Emma 8 Monate alt war, sind wir einen Monat lang durch Nicaragua gereist: mit Bus, Propellerflugzeug und Boot sind wir quer durch das Land unterwegs gewesen. Wir sind an Vulkanen, durch den Urwald und am Strand entlang gewandert. Als schwierig hat sich tatsächlich die Essenszubereitung für Emma gestaltet. Einmal haben wir es geschafft die Stromversorgung einer kleinen Siedlung mit Hilfe unseres Wasserkochers für eine Weile zum Erliegen zu bringen. Das Reisen war unglaublich schön und vielfältig. Wir haben sehr viele Eindrücke gewonnen und Erfahrungen gemacht, die wir so schnell nicht vergessen werden."

Joel & Anja mit Tochter Emma

"Als unser zweiter Sohn 9 Monate alt war, haben wir eine 3-wöchige Kanada Rundreise im Wohnmobil gemacht. Diese Art zu reisen war für uns als Familie perfekt, da wir uns nach nichts richten mussten und die Tage frei nach unseren Bedürfnissen gestalten konnten. 3.500 km Strecke waren eine Herausforderung, aber dafür haben wir so so viel gesehen. Immer an einem anderen Ort, das war für uns alle und insbesondere die Kinder ein riesiges Abenteuer!"

Lydia & Boris mit Carl und Theo

"Marlous war gerade 9 Monate alt, als wir mit dem Camper einen Roadtrip durch Australien gemacht haben. In 10 Wochen sind wir von Cairns bis Melbourne gefahren. Wir haben es sehr genossen, so viel Zeit zu haben - sowohl zum Reisen als auch als Familie - und dabei so viel vom Land zu sehen. Das Wohnmobil war hierfür ideal, da die Kleine auf längeren Strecken schlafen konnte, immer ihre gewohnte Umgebung hatte und alles Nützliche wie Windeln, Essen und Spielzeug jederzeit griffbereit war."

Susanne & Patrick mit Tochter Marlous

*Einige Namen wurden von der Redaktion geändert.

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Hinweise:

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