Beruf und Familie vereinbaren – wie familienfreundlich ist mein Unternehmen?

Beruf und Familie unter einen Hut zu kriegen, ist herausfordernd. Immer mehr Unternehmen setzen daher auf Familienfreundlichkeit. So können sie dich unterstützen, wenn der Alltag mal stressig ist und dazu beitragen, dass du weiterhin gerne zur Arbeit kommst und weniger überlastet bist. Hier erfährst du, welche familienfreundlichen Maßnahmen Unternehmen anbieten können und wie du dich richtig informierst.

Eine Frau hält ein kleines Kind an beiden Händen, das seinem Vater in die Arme läuft.
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In aller Kürze

  • Familienfreundlichkeit lohnt sich für beide Seiten: wenn du zufrieden bist, bleibst du deinem Unternehmen länger treu und bist leistungsfähiger.
  • Führungskräfte sind Vorbilder und spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg von familienfreundlichen Maßnahmen.
  • Bei der Personalabteilung oder dem Betriebsrat kannst du dich vertraulich beraten lassen.
  • Viele Unternehmen lassen sich die Familienfreundlichkeit offiziell zertifizieren.

Was macht ein familienfreundliches Unternehmen aus?

Der Weg hin zu Familienfreundlichkeit ist für Unternehmen meistens ein langer. Viele Faktoren müssen berücksichtigt werden. Aus Angst vor Auswirkungen auf die Karriere, trauen sich Arbeitnehmer:innen häufig zum Beispiel nicht, nach einem Wechsel auf Teilzeit zu fragen. Unternehmen sollten daher eine familienfreundliche Kultur fördern. Führungskräfte spielen dabei eine besonders wichtige Rolle. Sie müssen mit gutem Beispiel vorangehen und Unterstützung anbieten.

Familienfreundliche Maßnahmen sind freiwillige Leistungen. Viele Unternehmen verankern ihre Familienfreundlichkeit dennoch in verbindlichen Regeln, etwa in der Betriebsvereinbarung.

Ein offener Austausch zwischen Belegschaft und Arbeitgeber ist wichtig. Denn nicht alle Angebote sind in jedem Fall geeignet. Je nachdem, was bei dir gerade so los ist, brauchst du Maßnahmen, die auf dein Leben zugeschnitten sind. Daher gilt: nutze die Gelegenheit mitzuwirken, z.B. wenn deine Arbeitgeberin Umfragen zu Familienfreundlichkeit macht.

Kurz erklärt

Umfragen

Umfragen sind ein beliebtes Mittel von Unternehmen, um von ihren Mitarbeiter:innen Informationen zu bekommen und bessere Entscheidungen zu treffen. Wenn dir das Thema der Umfrage wichtig ist, solltest du unbedingt teilnehmen. So kannst du Familienfreundlichkeit in deinem Unternehmen selbst mitgestalten.
Eine Hand füllt ein Umfrage-Formular aus.
© jannoon028/AdobeStock

Familienfreundliche Maßnahmen im Überblick

  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Modelle, wie die reduzierte Vollzeit, Teilzeit, Gleitzeit, Arbeitszeitkonten (pro Quartal, Jahr oder Lebens-Arbeitszeitkonten).
  • Einfacher Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit und zurück.
  • Arbeitsplatz-Teilung: eine Vollzeitstelle wird auf zwei oder mehr Personen verteilt. Im Unterschied zur klassischen Teilzeit wird enger zusammengearbeitet. Dadurch können auch verantwortungsvolle Jobs übernommen werden, die in Teilzeit nicht so einfach zu stemmen wären.
  • Homeoffice und Telearbeit: die Möglichkeit, den Arbeitsort flexibel zu wählen und etwa von zu Hause aus zu arbeiten.
  • Flexibler Wiedereinstieg: jede Elternzeit verläuft anders. Umso wichtiger ist es daher, den Wiedereinstieg für Eltern so flexibel wie möglich zu gestalten. Damit du und dein Unternehmen gut planen können, solltet ihr regelmäßig miteinander sprechen und feste Absprachen treffen.
  • Weiterbildung in der Elternzeit: flexible Lernmodelle und finanzielle Unterstützung, um Weiterbildungen in der Elternzeit zu fördern. So bleibst du auch in der Elternzeit am Ball und dein Unternehmen profitiert von deinem neu gewonnenen Wissen.
  • Abschaffung von Spätnachmittags-Meetings: Eltern oder pflegende Beschäftigte können durch späte Termine schon mal in Zeitnot kommen. Ein einfaches Mittel für familienfreundliche Unternehmen ist es, diese zu vermeiden.

Homeoffice

Eine der familienfreundlichen Maßnahmen ist das Homeoffice Angebot. In unserem Ratgeber-Video erhältst du Tipps von uns, wie du effizient von zu Hause aus arbeiten kannst.

Unternehmen können insbesondere auch in Betreuungs-Fragen unterstützen und beratend beiseite stehen.
Zum Beispiel durch:

  • Kinderbetreuungszuschüsse: finanzielle Unterstützung für die Kinderbetreuung.
  • Angebote zu Kinderbetreuung: größere Unternehmen können Ihren Beschäftigten häufig betriebsinterne Kitas anbieten. Für kleinere Unternehmen ist die Buchung von Plätzen in nahegelegenen Kitas eine gute Alternative.
  • Ferienbetreuung: die Kinderbetreuung während der langen Sommerferien mit dem Job zu vereinbaren ist gar nicht so leicht. Dein Unternehmen kann dich hier mit Angeboten unterstützen.
  • Notfallbetreuung: wenn die Kita spontan streikt oder die Tagesmutter krank wird, kann eine Notfallbetreuung Gold wert sein. Einige Unternehmen richten auch Spielzimmer für Kinder an und erlauben es, die Kinder kurzfristig ins Büro mitzubringen.
  • Pflegeangebote für Angehörige: hierbei können Unternehmen unterstützen, indem sie beispielsweise Zuschüsse zu den Pflegekosten zahlen oder Pflegeangebote schaffen.
  • Mehr Kinderkrankentage: Kinderkrankentage können genommen werden, wenn die Kinder krank sind und zu Hause betreut werden müssen. Ein Mindestanzahl wird dabei von der Krankenkasse bezahlt. Unternehmen können die Anzahl aber auf eigene Kosten erhöhen.
  • Sonderurlaub: Eltern wollen keine Meilensteine im Leben ihrer Kinder verpassen. Manche Unternehmen bieten daher bezahlten Sonderurlaub bei besonderen Familienereignissen oder auch die Möglichkeit, ein Sabbatjahr einzulegen. Meistens werden die konkreten Regelungen in der Betriebsvereinbarung festgehalten.
  • Beratungs- und Betreuungsangebote: wer Hilfe braucht, sollte schnell und unkompliziert an Informationen kommen. Hilfreich ist dafür die Benennung einer Kontaktperson rund um Fragen zu Familienfreundlichkeit oder die Erstellung von Infoseiten auf der Internetseite des Unternehmens.

Besonderheiten nach Branchen

Sind Familienfreundlichkeit und Schichtarbeit überhaupt vereinbar? Ja. Die Schichtarbeit hält zwar für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besondere Herausforderungen bereit, es gibt aber Möglichkeiten, um sie familienfreundlicher zu gestalten. Zusammenhängende Freizeitblöcke sollten beispielsweise möglichst viele Wochenende enthalten. Nutzt dein Unternehmen außerdem einen digitalen Schichtplan kannst du deine Schichten einfacher mit Kolleg:innen tauschen. Zum Beispiel über eine Art Tauschbörse.
Insbesondere größere Unternehmen bieten häufig schon Kinderbetreuung für ihre Kundschaft an. Das Betreuungsangebot lässt sich ohne viel Aufwand auf die Kinder von Beschäftigten ausweiten.
Insbesondere während einer Ausbildung ist die Arbeit häufig nur schwer mit zusätzlichen Betreuungsaufgaben zu Hause vereinbar. Immer mehr Einrichtungen setzen daher auf die Teilzeitausbildung. Die Ausbildungszeit verlängert sich dadurch zwar, das Modell ist aber familienfreundlicher und ist daher immer beliebter.
Handwerks-Betriebe sind häufig durch saisonale Schwankungen beeinflusst. Hier bietet sich die Einrichtung von Arbeitszeitkonten (pro Jahr oder Quartal) an. Dies funktioniert wie eine Art Sparbuch: Mitarbeiter:innen können vorübergehend mehr oder weniger arbeiten als im Vertrag vereinbart wurde. Die Über- oder Fehlstunden können dann später ausgeglichen werden.

Wie informiere ich mich über die Angebote meines Arbeitgebers?

Die Personalabteilung ist deine erste Anlaufstelle. Sie ist für alle Personalfragen verantwortlich und kann dich am besten beraten. Frage gezielt nach einer vertraulichen Beratung, wenn du sichergehen möchtest, dass Dritte nicht von dem Gespräch erfahren.
Möglicherweise gibt es in deinem Unternehmen auch einen Betriebsrat. Dieser besteht aus gewählten Mitgliedern und hat verschiedene Aufgabenbereiche. Eine seiner Kernaufgaben ist auch die “Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit”. Außerdem sind Betriebsräte zu Verschwiegenheit verpflichtet. Von deinem Gespräch mit dem Betriebsrat wird also niemand erfahren, wenn du das nicht möchtest.
Wenn du dich damit wohl fühlst, kannst du auch jederzeit Kolleginnen oder deine Führungskraft um Rat fragen. Wichtig ist, dass du selbst ganz frei bestimmen kannst, wie und bei wem du dich informieren möchtest.

Du hast die Wahl

  • Informiere dich bei der Personalabteilung
  • Bitte deinen Betriebsrat um eine vertrauliche Beratung
  • Frage Kolleginnen oder deine Führungskraft

Warum sich Familienfreundlichkeit für Unternehmen lohnt

Familienfreundlichkeit ist ein Gewinn für alle Beteiligten: du wünschst dir neben der Karriere genug Zeit für die Familie und ein Unternehmen, das dich dabei unterstützt. Deine Arbeitgeberin möchte, dass du möglichst lange bei ihr bleibst, gesund und leistungsfähig bist. Um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, setzen viele Unternehmen auf freiwillige, familienfreundliche Leistungen. So können sie in Zeiten des anhaltenden Fachkräftemangels, qualifizierte Arbeitnehmer für sich gewinnen und langfristig halten.

Faktencheck

Mit familienfreundlichen Maßnahmen können Unternehmen sogar Geld sparen. Eine Studie hat ergeben, dass die Kosten für familienfreundliche Maßnahmen häufig deutlich niedriger sind als solche für Neubesetzungen oder viele Fehltage.

Quelle: *Studie “Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen”

Die Vorteile im Überblick

Vorteile für Beschäftigte

  • Entlastung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen
  • weniger Stress und Belastung im Alltag
  • mehr Zufriedenheit und Motivation
  • langfristige Arbeitsausfälle, z.B. wegen Krankheit werden vermieden

Vorteile für Unternehmen

  • Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung von qualifizierten Fachkräften
  • weniger Kündigungen
  • Beschäftigte kehren nach Pausen schneller zur Arbeit zurück
  • weniger Fehltage
  • Positive Auswirkungen auf das Image des Unternehmens
  • Zufriedene Arbeitnehmer:innen sind motivierter und leistungsstärker
  • Einsparung von Kosten

Jobwechsel: wie weiß ich, ob das Unternehmen meiner Wahl familienfreundlich ist?

Du möchtest deinen Job wechseln und herausfinden, wie familienfreundlich das neue Unternehmen ist, bei dem du dich bewirbst? Viele Firmen lassen sich ihre Familienfreundlichkeit von externen Prüfstellen bescheinigen. Schau am besten auf der Internetseite des Unternehmens, ob du dort Informationen zu einer Zertifizierung findest.

Welche Zertifikate gibt es?

Name des Zertifikats Wer prüft? Prüfprozess
audit berufundfamilie
berufundfamilie Service GmbH
umfangreiche Befragung der Arbeitnehmerinnen
Beratung bei der Entwicklung & Umsetzung von Maßnahmen
regelmäßige Überprüfung und Beratung
Qualitätssiegel “Familienfreundlicher Arbeitgeber"
Bertelsmann Stiftung
Bewertung der folgenden Bereiche:
Unternehmens- und Führungskultur
Kommunikation
Arbeitsorganisation
Unterstützungsangebote
Strategie und Nachhaltigkeit
TÜV PROFiCERT-plus Geprüfte Familienfreundlichkeit
TÜV Hessen
Befragung von Arbeitgeberin und Arbeitnehmern
quantitative & qualitative Analyse
Empfehlung von Maßnahmen
regelmäßige Untersuchung

Eine gute Informationsquelle sind auch Bewertungsplattformen im Internet, wie z.B. Kununu. Hier findest du zu vielen Unternehmen Bewertungen von aktuellen und ehemaligen Beschäftigten. Bewertet werden neben Kommunikation oder Arbeitsbedingungen auch die Ausgewogenheit von Beruf- und Privatleben, auch Work-Life-Balance genannt. Häufig findest du auch Informationen zu familienfreundlichen Leistungen des Unternehmens.

Besonders familienfreundliche Unternehmen kommunizieren dies gerne nach außen. Schau dir genau an, wie sich das Unternehmen präsentiert. Signalisiert es Familienfreundlichkeit, indem es zum Beispiel Infos zu familienfreundlichen Angeboten auf seiner Internetseite zur Verfügung stellt?

Der Ablauf des Bewerbungsprozesses kann auch schon ein gutes Anzeichen sein. Wurde Wert auf eine familienfreundliche Organisation gelegt? Wurde das Thema im Bewerbungsgespräch aktiv angesprochen?

Wenn das Thema für dich ein sehr wichtiger Faktor für die Wahl des Unternehmens ist, kannst du auch das Bewerbungsgespräch nutzen, um Fragen zu stellen. Bereite dich auf das Gespräch gut vor und notiere dir konkrete Fragen. Dabei solltest du nicht fordernd auftreten, sondern deine Frage freundlich und sachlich formulieren. Berücksichtige, dass familienfreundliche Angebote freiwillige Leistungen und nicht gesetzlich vorgeschrieben sind.


Hinweise:

  • Alle Berufsfelder und -bezeichnungen schließen, unabhängig von ihrer konkreten Benennung, sowohl weibliche als auch männliche Personen mit ein.
  • Wir machen außerdem darauf aufmerksam, dass unser Web-Angebot lediglich dem unverbindlichen Informationszweck dient und keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne darstellt. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung, die auf deine spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.